Politik : Muslime sagen Extremisten den Kampf an

Runder Tisch mit britischem Premier Blair

Matthias Thibaut[London]

Britische Muslime wollen gemeinsam gegen Hassprediger und Extremisten in ihren Reihen vorgehen. Dies versprachen die Teilnehmer eines Runden Tisches mit Parteien und Vertretern muslimischer Gemeinden in der Downing Street. Premier Tony Blair hatte zu dem Treffen geladen, um nach den Londoner Terroranschlägen vom 7. Juli eine gemeinsame Front gegen den Terrorismus zu bilden und die Muslime stärker in die gesellschaftliche Diskussion einzubeziehen. Er sei „ermutigt“ über das „hohe Maß an Übereinstimmung“ unter den Muslimen und im gesamten politischen Spektrum, sagte Blair anschließend. Man werde nun „Mechanismen“ finden, um in die muslimischen Gemeinschaften zu gehen und dort „diese bösartige Ideologie“ zu attackieren und zu besiegen.

Teilnehmer berichteten aber auch, dass unterschiedliche Ansichten über die Gründe für die wachsende Entfremdung und den Extremismus vor allem unter jüngeren Muslimen geäußert worden seien. Nicht nur Armut und die mangelnde Teilhabe an Bildungschancen, sondern auch „die britische Außenpolitik“ seien ein Grund, so eine Teilnehmerin – ein Euphemismus für die Irakpolitik Blairs.

„Wir alle sind uns einig, dass wir den Hasspredigern das Handwerk legen müssen“ sagte das Labour-Parteimitglied Azhar Ali. Wie andere betonte er vor allem die Notwendigkeit, die intellektuelle und theologische Debatte mit der jungen Generation zu suchen. An der Runde nahmen über 25 muslimische Akademiker, Moscheenleiter, Imame und Parlamentsabgeordnete sowie die Parteiführer teil. Bereits am Montagabend hatten muslimische Geistliche als Reaktion auf die Anschläge in London am 7. Juli, in deren Folge 55 Menschen starben, mit einer islamischen Weisung Selbstmordanschläge „streng verboten“. Das Forum britischer Muslime erließ nach Angaben des Senders BBC eine entsprechende Fatwa, eine für Gläubige verbindliche Weisung. Sie soll am 22. Juli in etwa 300 Moscheen des Landes verlesen werden.

Nachdem am Montag der angesehene Think Tank „Chatham House“ in einer Studie zu dem Schluss gekommen war, dass es eine klare Verbindung zwischen dem Irakkrieg und der wachsenden Terrorismusbereitschaft gebe, wurde am Dienstag eine fast gleich lautende Analyse der britischen Geheimdienste selbst durch Medienberichte bekannt. Das „Gemeinsame Zentrum für Terrorismusanalysen“, in dem In- und Auslandsgeheimdienste sowie Scotland Yard zusammenarbeiten, warnte offenbar erst vor wenigen Wochen, der Irakkrieg habe das Terrorrisiko in Großbritannien erhöht.

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