Politik : Muslime streben Dachverband bis Jahresende an

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Berlin - Bis spätestens Jahresende soll es so weit sein: Dann wollen sich große muslimische Dachverbände in Deutschland, darunter der Islamrat sowie der Zentralrat der Muslime, auf einen gemeinsamen Dachverband geeinigt haben. Noch sei die Satzung nicht ganz fertig gestellt, sagt der Vorsitzende des Islamrats, Ali Kizilkaya. Aber er geht von einem Verband mit „starker föderaler Struktur“ aus, der einzelne Verbände „überflüssig macht“ und vor allem der Politik als einheitlicher Ansprechpartner für muslimische Belange dienen soll.

Das bedeutet aber nicht, dass künftig ein Sprachrohr für alle Muslime in Deutschland sprechen wird. So sind hier zu Lande nur zehn bis fünfzehn Prozent der vermutlich 3,5 Millionen Muslime überhaupt in islamischen Verbänden oder ähnlichen Vereinigungen organisiert. Einen großen Teil von ihnen wiederum vertritt die semi-säkulare Ditib, die „Türkisch-islamische Union der Anstalt für Religion“. Diese „Dependance der staatlichen Religionsbehörde in Ankara“, so die Religionswissenschaftlerin Ursula Spuler-Stegemann, will sich dem Dachverband zum Beispiel gar nicht anschließen. Offenbar aufgrund eines Alleinvertretungsanspruches, was die türkischstämmigen Muslime betrifft.

In Bezug auf die Karikaturen des Propheten Mohammed und die Ausschreitungen in islamischen Ländern haben sich die Vorsitzenden von Islamrat und dem Zentralrat der Muslime in Deutschland aber schon jetzt übereinstimmend geäußert: Die Karikaturen seien entwürdigend, doch die Gewaltwelle, die durch viele Länder geht, sei gleichermaßen unislamisch. Die große Mehrheit der Muslime in Deutschland denke so, auch wenn sie nicht in den Verbänden organisiert sei, davon ist Spuler-Stegemann überzeugt. cir

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