Muslime und Integration : Jetzt bitte keine Debatte um Kopftuchverbote!

Statt über Integrationspflichten zu debattieren, muss gemeinsam der Islamismus bekämpft werden, meint Barbara John, Berlins Ex-Ausländerbeauftragte. Ein Kommentar.

von
Unterricht mit Kopftuch - in Berlin nicht erlaubt. Nun klagt eine Lehrerin.
Unterricht mit Kopftuch - in Berlin nicht erlaubt. Nun klagt eine Lehrerin.Foto: imago/epd

Muslime hatten es nie leicht in Deutschland, aber es gab schon bessere Zeiten als heute. Die CDU fordert eine Integrationspflicht für muslimische Migranten. In Berlin hat sich die SPD erneut gegen das Tragen von Kopftüchern im Öffentlichen Dienst entschieden, obwohl ein neues Urteil des Bundesverfassungsgerichts ausdrücklich mehr Religionsfreiheit empfiehlt. Ein Adventskalender einer namhaften Schokoladenfirma wird als muslimisch geschmäht, weil die christliche Weihnachtsgeschichte in einer märchenhaft-orientalischen Umgebung dargestellt wird. Abgesehen davon, dass der Kalender schon seit Jahren verkauft wurde, ohne Beanstandungen, ist Jesus ja tatsächlich nicht in einer Fischerhütte am Strand der Elbe geboren, sondern im Nahen Osten.

Auch in anderen europäischen Ländern gibt es Nadelstiche gegen den Islam. Die Supermarktkette „Spar“ in Österreich entfernte nach heftigen Protesten „Halal-Fleisch“ aus den Regalen (von Tieren, die nach der Betäubung geschächtet wurden). In Warschau, Prag und Bratislava demonstrierten kürzlich Tausende gegen die Aufnahme muslimischer Flüchtlinge.

Mit solchen Ausgrenzungssignalen entfernen wir uns immer weiter vom verträglich-gelassenen Zusammenleben mit der größten Einwandererreligion Islam. Dabei wäre gerade jetzt Zusammenrücken angesagt. IS-Terroranschläge in Paris, in Beirut, in Ankara und (vermutlich) in den USA haben wahllos Menschen unterschiedlichen Glaubens aus dem Leben gerissen. Auch deshalb suchen Syrer und Iraker – darunter Muslime, Jesiden, Christen – Schutz in Deutschland. Ist jetzt wirklich Zeit und Stunde sich über Petitessen wie das Tragen eines Kopftuchs oder über die Verweigerung des Händedrucks durch einzelne Imame aufzuregen?

„First things first“, das Wichtigste zuerst, heißt es bei den Briten, wenn viel auf dem Spiel steht. Das ist jetzt der Fall. Die Muslime in Deutschland brauchen alle anderen, wie auch alle anderen jetzt die Muslime brauchen, um die Gewalt-Desperados des IS zu entwaffnen, politisch und militärisch, wo immer sie sich befinden.


69 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben