Mutig : Zwei Frauen wollen Präsidentin in Afghanistan werden

Sie sind die wohl mutigsten Frauen der Welt: Frozan Fana und Shahla Atta aus Afghanistan. Die beiden treten bei der Präsidentschaftswahl im August gegen Amtsinhaber Hamid Karsai an, gemeinsam mit 38 Männern.

Ulrike Scheffer

BerlinAlle Kandidaten wissen, dass schon der Wahlkampf lebensgefährlich ist. Das Kabuler Innenministerium stellt jedem von ihnen Leibwächter zur Verfügung. Atta und Fana stehen auf der Todesliste der Taliban allerdings ganz oben, denn die Gotteskrieger gestehen Frauen keinerlei Rechte zu – schon gar keine politischen.

Mehrere Politikerinnen und Frauenrechtlerinnen sind in der Vergangenheit ermordet worden. Atta versteht ihre Kandidatur daher als Demonstration der Gleichberechtigung von Mann und Frau: „Ich trete an, weil ich die in der Verfassung festgeschriebenen demokratischen Werte des Landes stärken möchte“, argumentiert die 47-jährige Parlamentsabgeordnete.

Beide Frauen berufen sich bei ihren Programmen allerdings auf Männer. Atta nennt den früheren Präsidenten Sardar Mohammad Daud Khan als ihr Vorbild. Dieser stürzte 1973 den König – seinen eigenen Vetter – und wurde 1978 von sowjettreuen Kommunisten ermordet. Daud sei ein Modernisierer gewesen, der auch Frauenrechte durchgesetzt habe, schreibt Atta auf ihrer Homepage. Gleichzeitig verteidigte der Ex-Präsident allerdings auch die Dominanz des Mehrheitsvolkes der Paschtunen.

Konkurrentin Frozan Fana, eine 49 Jahre alte Ärztin, gibt auf ihrer Homepage an, sie wolle die Arbeit ihres ermordeten Mannes fortsetzen. Der frühere Minister für Luftverkehr, Abdul Rahman, war 2002 am Flughafen von Kabul von aufgebrachten Mekka-Pilgern erschlagen worden, weil diese nicht ausreisen konnten. „Der beste Weg, einen Märtyrer zu rächen, ist, seine Vision weiterzutragen“, schreibt Fana. Erläutert wird diese Vision allerdings nicht. Wie beinahe alle afghanischen Präsidentschaftskandidaten hat sie sich vielmehr ganz allgemein zum Ziel gesetzt, Frieden und Sicherheit zu fördern und die nationale Einheit und Souveränität des Landes zu schützen.

Der frühere Innenminister Ashraf Ghani wirbt hingegen gezielt um die Stimmen weiblicher Wähler – mit einem Sieben-Punkte-Plan für Frauenrechte. „Junge Wählerinnen sind eine unglaublich wichtige Wählergruppe, nicht nur weil sie wählen gehen, sondern auch weil sie die künftigen Führer unseres Landes sind. Ihre Beteiligung wird unser Land verändern“, wird Ghani von der Agentur Reuters zitiert. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind 38 Prozent der 4,5 Millionen afghanischen Wähler weiblich. Ghani verspricht, als Präsident 300 000 Jobs für Frauen zu schaffen und 40 afghanische Akademikerinnen als Lehrkräfte an die Universität zu holen.

Shahla Atta scheint dies wenig zu beeindrucken. Afghanische Internetforen zitieren sie mit den Worten: „Die Leute haben Männer getestet, aber sie haben nichts bekommen. Warum sollten sie nun nicht sehen, was eine Frau leisten kann?“

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