• Mutmaßlicher Auftragsmörder der DDR festgenommen 53-Jähriger soll Kommando des Staatsapparats angehört haben

Politik : Mutmaßlicher Auftragsmörder der DDR festgenommen 53-Jähriger soll Kommando des Staatsapparats angehört haben

Matthias Schlegel / Robert Ide

Wegen des Verdachts, im Auftrag von DDR-Behörden mehrere Menschen umgebracht zu haben, ist am Montag in Berlin ein 53 Jahre alter Mann von Beamten des Bundeskriminalamtes festgenommen worden. Wie Generalbundesanwalt Kay Nehm am Mittwoch in Karlsruhe mitteilte, steht der Beschuldigte Jürgen G. im dringenden Verdacht, „zwischen 1976 und 1987 als Angehöriger eines im Staatsapparat der ehemaligen DDR angesiedelten Kommandos mehrere Personen, die aus Sicht des DDR-Regimes Verrat begangen hatten oder zu begehen drohten, getötet zu haben“. Bei dem Verdächtigten handelt es sich um einen deutschen Staaatsbürger, hieß es weiter. Nähere Einzelheiten zum Tatvorwurf wurden mit Rücksicht auf noch laufende Ermittlungsmaßnahmen gestern nicht mitgeteilt. Auch die Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen wollte auf Anfrage keine Stellungnahme abgeben und verwies auf die zuständige Staatsanwaltschaft.

In Expertenkreisen hieß es, dass Auftraggeber nur das Ministerium für Staatssicherheit gewesen sein könne. Dort kämen offenbar zwei Abteilungen infrage: entweder die Abteilung 18 der Hauptverwaltung Aufklärung (HVA), die mit der Vorbereitung von Sabotageakten im Westen befasst war, oder die bei Erich Mielke angesiedelte AGM/S, die Arbeitsgruppe S des Ministers, die vor allem im Kriegsfall wirkungsvolle Partisanentätigkeit entfalten sollte.

Die so genannten Tschekisten wurden aber auch für „spezifische Einzelaufgaben“ unter „relativ friedlichen Verhältnissen“ geschult. Dazu zählte der Leiter der AGM/S in seinen „Einsatzgrundsätzen“ etwa die „Liquidierung oder Beibringung von Verrätern“ oder die „Liquidierung bzw. Ausschaltung führender Personen von Terrororganisationen, deren Tätigkeit gegen die staatliche Sicherheit der DDR gerichtet ist“. Aus Stasi-internen Informationen vom März 1982 geht hervor, dass die HVA bei der AGM/S eine Gruppe von drei bis vier Personen angefordert hatte. Sie sollten „zur Durchführung spezifischer operativer Aufgaben“ im Bundesgebiet unter anderem „zur Bekämpfung feindlicher Personen in der vollen Breite der möglichen Maßnahmen“ eingesetzt werden.

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