Mythos Ärztemangel : Hingehen, wo es wehtut

Die Zahl der praktizierenden Mediziner in Deutschland hat einen Rekordstand erreicht. Trotzdem mangelt es vielerorts an Ärzten. Ein Kommentar.

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Gut versorgt? Vielerorts fehlt es trotz Medizinerschwemme an Ärzten.
Gut versorgt? Vielerorts fehlt es trotz Medizinerschwemme an Ärzten.Foto: picture alliance / dpa

Ärztemangel in Deutschland? Die Statistik scheint diese Klage zu widerlegen. Tatsächlich hat sich die Zahl der praktizierenden Mediziner in Deutschland weiter erhöht. 456 kommen inzwischen auf 100 000 Einwohner – das ist einsamer Rekord und im Vergleich zu 1980 schon mehr als das Doppelte.

Doch die bloße Gesamtzahl ist wenig aussagekräftig. Zum einen benötigt eine alternde Gesellschaft zwangsläufig mehr Mediziner. Zum anderen sind immer weniger Ärzte und vor allem Ärztinnen zum Einsatz rund um die Uhr bereit. Statt sich kaputtzurackern, lassen sie sich anstellen, arbeiten in der Familienphase gerne auch mal Teilzeit.

Mehr Mediziner bedeutet also nicht automatisch, dass mehr Menschen versorgt, womöglich gar überversorgt werden. Vor allem nicht überall. In den Ballungsräumen treten sich die Doktores auf die Füße, in strukturschwachen Regionen ist oft kaum noch einer zu finden. Daran hat sich trotz neuer Gesetze und ausgeklügelter Anreizmechanismen nichts geändert. Im Gegenteil.

Das Land benötigt nicht noch mehr Fachärzte und Spezialisten in den Städten, sondern mehr Mediziner, die dorthin gehen, wo die Patienten sind. Und die sich der Grundversorgung widmen. Insofern mangelt es trotz Medizinerschwemme immer noch und mehr denn je: an engagierten Haus- und Kinderärzten, Gynäkologen, Palliativmedizinern.

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