Politik : Nach 25 Jahren neue Fakten zu Papst-Attentat

Paul Kreiner

Rom - Ein neuer Untersuchungsbericht belebt den nun schon 25 Jahre andauernden Versuch, das Attentat auf Papst Johannes Paul II. vom 13. Mai 1981 aufzuklären. Nach Erkenntnissen einer italienischen Parlamentskommission stand in der Nähe des Attentäters Ali Agca damals der bulgarische Funktionär Sergej Antonov. Dieser leitete seinerzeit formell das römische Büro der Balkan-Air, galt aber als Mann des kommunistischen Geheimdienstes seines Landes. Antonov war schon früher in Verdacht geraten, stritt aber seine Anwesenheit auf dem Petersplatz ab. Ein italienisches Gericht sprach ihn daraufhin aus Mangel an Beweisen frei.

Nun erklärt Senator Paolo Guzzanti, der die Kommission des italienischen Parlaments leitete, der Ausschuss habe Antonov – trotz Schnauzbart und dunkler Brille – auf den Fotos vom Tatort ohne jeden Zweifel identifiziert. Antonov habe „im Rücken Agcas gestanden“.

„Die bulgarische Spur aber ist, wie wir inzwischen wissen, in Wirklichkeit eine sowjetische“, sagt Guzzanti und fügt an, ein französischer Untersuchungsrichter habe von „objektiver Sicherheit“ dahingehend gesprochen, „dass der sowjetische Militärgeheimdienst GRU direkt aus dem Politbüro und von Parteisekretär Breschnew den Auftrag zur Eliminierung des Papstes erhalten“ habe. Ermittler verfolgen die „bulgarische Spur“ schon immer; auch über eine Verwicklung Moskaus wurde von Anfang an gesprochen.

Im Januar, anlässlich der vorübergehenden Freilassung Ali Agcas aus einem türkischen Gefängnis, hatte Guzzanti geschrieben, der Papst-Attentäter sei darüber hinaus für einen Anschlag auf den polnischen Gewerkschafter Lech Walesa bei einem Besuch in Rom angeworben worden; Agca habe jedoch abgelehnt, da das in diesem Falle geforderte Hantieren mit Sprengstoff „nicht seinem Talent entsprochen“ hätte.

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