Nach 30 Jahren Haft : USA lassen israelischen Spion John Pollard frei

Im November soll der israelische Mossad-Mitarbeiter John Pollard auf Bewährung aus der Haft entlassen werden. US-Außenminister John Kerry bestreitet, dass es eine Verbindung zum Atomdeal mit Teheran gibt.

Johnathan Pollard im May 1998.
Johnathan Pollard im May 1998.Foto: AP/ Karl DeBlaker

Nach 30 Jahren Haft in den USA kommt der israelische Spion Jonathan Pollard Ende des Jahres frei. Pollards Anwälte teilten am Dienstag mit, dass die Haftstrafe ihres Mandanten am 21. November zur Bewährung ausgesetzt werde. Zugleich widersprachen sie Spekulationen, dass die Freilassung ein politisches Zugeständnis der USA sein könnte, um Israel wegen des Atomabkommens mit dem Iran zu besänftigen.

Die Entscheidung der Bewährungskommission sei "unabhängig von anderen US-Regierungsstellen" gefallen und nicht an die "jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten" geknüpft, erklärten die Anwälte. Auch US-Außenminister John Kerry beteuerte vor Journalisten, dass kein außenpolitischer Zusammenhang bestehe. "Ehrlich", sagte Kerry. Darüber habe es nicht einmal Gespräche mit Israel gegeben.

Pollard hatte tausende geheime Spionagedokumente weitergeleitet

Die Beziehungen zwischen den USA und Israel werden durch die Pollard-Affäre bis heute belastet. Der in den USA geborene Spion hatte bei der US-Kriegsmarine als zivil angestellter Geheimdienstanalyst Zugang zu hoch brisanten Unterlagen. Von Mai 1984 bis zu seiner Verhaftung im November 1985 übergab er dem israelischen Geheimdienst Mossad viele tausend Dokumente mit US-Spionagematerial aus dem arabischen Raum. Im März 1987 wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. In Israel, dessen Staatsbürgerschaft Pollard 1996 erhielt, genießt er den Status eines Nationalhelden.

Pollard sitzt derzeit noch in der Haftanstalt von Butner im Bundesstaat North Carolina hinter Gittern. Die dreiköpfige Bewährungskommission hörte den Fall nach Angaben der Anwälte am 7. Juli und traf die Entscheidung über die Entlassung auf Bewährung einstimmig. "Wir sind dankbar und erfreut, dass unser Mandant bald freikommt", erklärten die Anwälte. Bereits im Juli 2014 hatte sich Pollard um seine vorzeitige Entlassung bemüht, damals lehnte die Kommission sein Gesuch noch ab.


Spion darf USA fünf Jahre nicht verlassen

Das US-Justizministerium hatte sich lange gegen die Umwandlung in eine Bewährungsstrafe gesperrt. Pollards Anwälten zufolge verzichtete das Ministerium bei der Anhörung vor der Kommission Anfang des Monats nun darauf, gegen eine Freilassung zu argumentieren. Zu den Auflagen gehört den Angaben zufolge, dass der Spion die USA fünf Jahre lang nicht verlassen darf. Die Anwälte riefen US-Präsident Barack Obama auf, ihrem Mandanten mit einer Begnadigung die sofortige Ausreise nach Israel zu ermöglichen. (AFP)

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

1 Kommentar

Neuester Kommentar