Politik : Nach 32 Jahren: Afghanistan hat wieder ein Parlament

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Kabul - Unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen ist in Kabul am Montag das erste Mal seit mehr als drei Jahrzehnten wieder das afghanische Parlament zusammengekommen. Präsident Hamid Karsai sagte bei der Eröffnungssitzung in der afghanischen Hauptstadt dem Terrorismus und dem Drogenhandel im Land den Kampf an. Vor den Abgeordneten rief Karsai seine Landsleute dazu auf, gegen den Anbau von Schlafmohn vorzugehen. „Wir haben der internationalen Gemeinschaft eine klare Zusage gegeben, den Drogenhandel aus Afghanistan zu verbannen“, sagte er.

Der 91 Jahre alte frühere König Sahir Schah, der laut Verfassung den Titel „Vater der Nation“ trägt, betonte: „Ich bin Allah dankbar, dass ich heute an der Zeremonie teilnehme, die nach Jahrzehnten des Kampfes einen Schritt in Richtung des Wiederaufbaus Afghanistans markiert.“ Mit dem neuen Parlament endete der bei Bonn Ende 2001 vereinbarte Demokratisierungsprozess Afghanistans. Vor der Vereidigung der neuen Parlamentarier wurde aus dem Koran rezitiert und die Nationalhymne gespielt. Der feierlichen Eröffnungssitzung wohnte auch US-Vizepräsident Dick Cheney bei.

Parteien waren nicht zur Wahl zugelassen. Die Bewerber traten als unabhängige Kandidaten an. Im Unterhaus sind gemäß den für sie reservierten Sitzen 68 Frauen vertreten. Unter den Abgeordneten sind auch frühere Anhänger der radikalislamischen Taliban. Die Parlamentswahl am 18. September war die erste in Afghanistan seit 1969. Zuletzt hatte das afghanische Parlament 1973 getagt. dpa

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