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Nach Anschlag am Breitscheidplatz : Vermeintlicher Kontaktmann von Anis Amri ist wieder frei

Der in Berlin festgenommene Tunesier ist nicht der Kontaktmann des mutmaßlichen Attentäters vom Breitscheidplatz. Doch es gibt neue Erkenntnisse zur Flucht von Anis Amri.

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Die Tatwaffe: Der Lkw vom Breitscheidplatz
Die Tatwaffe: Der Lkw vom BreitscheidplatzFoto: AFP/Tobias Schwarz

Der in Tempelhof als mutmaßlicher Kontaktmann von Anis Amri festgenommene Verdächtige ist frei. Das sagte eine Sprecherin des für Terrorverfahren zuständigen Generalbundesanwalts (GBA) am Donnerstag in Karlsruhe. Der 40-jährige Tunesier war am Mittwoch vorläufig festgenommen worden, weil er von Amri vor dem Weihnachtsmarkt-Attentat via Handy benachrichtigt worden sein sollte. Die Ermittlungen hätten jedoch ergeben, dass es sich „nicht um die mögliche Kontaktperson von Anis Amri handelt“. Allerdings stuften die Ermittler das Bekennervideo als „authentisch“ ein. Es zeigt, wie berichtet, den 24-jährigen Tunesier Amri in Moabit, wie er den Massenmördern vom Islamischen Staat (IS) die Treue schwört.

Amri hat den Ermittlungen zufolge am 19. Dezember zwölf Menschen getötet, darunter den polnischen Fahrer eines entführten Sattelschleppers. Bei dem Attentat auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche wurden 55 Männer und Frauen verletzt, einige liegen noch in Kliniken. Inzwischen gebe es auch neue Erkenntnisse zur Flucht, teilte die GBA mit. So sei Amri „über die Niederlande nach Frankreich und Italien gereist“. Dort starb er bei einem Schusswechsel mit Mailänder Polizisten. Amri hat den Ermittlern zufolge sowohl in Mailand und Berlin mit einer bestimmten Waffenart des Kalibers 22 geschossen. Nicht geklärt ist der GBA-Sprecherin zufolge jedoch, ob es sich um die selbe Waffe handele. Dies werde noch untersucht.

In Berlin erschoss Amri vorläufigen Erkenntnissen zufolge den polnischen Lastwagenfahrer Lukasz Urban, dessen Truck er für das Attentat nutzte. Urban ist mit Kopfschuss und anderen Verletzungen gefunden worden. Diese Wunden, so erste Mutmaßungen, stammten wohl von einem Kampf mit dem Attentäter. Deshalb waren viele davon ausgegangen, dass der Trucker durch sein Eingreifen verhindert habe, dass der Attentäter noch mehr Menschen tötete. Einige Medien meldeten zuletzt jedoch, Urban sei schon Stunden vor der Tat erschossen worden.

Lkw stoppte wegen Bremsautomatik

Nun heißt es von der GBA, die Wunden seien zwar keine Stichverletzungen und der Truck sei wegen einer Bremsautomatik stehen geblieben, also wohl nicht durch Urbans Eingreifen. Der Lkw-Fahrer habe aber dennoch bis zum Attentat gelebt. Urban wird an diesem Freitag in Polen beigesetzt. Amri war polizeibekannt und wurde auch in Berlin überwacht. Im Herbst 2016 wurde die Observation abgebrochen, rechtlich gesehen sei sie nicht länger möglich gewesen, teilte die Berliner Staatsanwaltschaft mit.

Noch sind zahlreiche Fragen zur Flucht und zu Kontakten des Islamisten unbeantwortet. Der Berliner Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele (Grüne) sagte dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“: „Wenn wir von der Bundesregierung nicht schnell klare Informationen bekommen, werden wir im Eilverfahren einen Untersuchungsausschuss beantragen.“ Nach Informationen des „Spiegel“ ermittelte die Staatsanwaltschaft Duisburg im April 2016 wegen Betrugs gegen Amri, weil der Tunesier mehrfache Sozialleistungen erschlichen haben soll.

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