Nach Böhmer-Aussage : Landtagspräsidentin: "Kindermorde durch wachsende Verunsicherung"

Rüge von Thüringens Landtagspräsidentin: Sie kritisiert die Äußerungen von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer zu Kindermorden in Ostdeutschland. Viel schlimmer sei aber, dass nur über die Schuld der Mütter gesprochen wird. "Wo sind eigentlich die Väter?"

BerlinDie thüringische Landtagspräsidentin Dagmar Schipanski hat die umstrittenen Äußerungen von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (beide CDU) zu den Ursachen von Kindstötungen kritisiert. Heutige Mütter seien zu Zeiten der DDR noch Kinder gewesen, die von Böhmer genannte "übernommene DDR-Mentalität" komme daher als Ursache von Kindstötungen nicht infrage, sagte Schipanski am Montag im ZDF-"Morgenmagazin".

Böhmer hatte dem "Focus" gesagt, er erkläre sich die vielen Kindestötungen im Osten "vor allem mit einer leichtfertigeren Einstellung zu werdendem Leben in den neuen Ländern", die auf die DDR-Abtreibungspolitik zurückgehe. Es komme ihm vor, als sei Kindstötung für manche Frauen "ein Mittel der Familienplanung". Mit den Äußerungen löste Böhmer parteiübergreifend Empörung aus, Rücktrittsforderungen wurden laut. In einem Fernsehinterview relativierte der Landeschef seine Aussagen.

"Es beunruhigt mich wesentlich mehr, dass unsere Gesellschaft nur über die Frauen redet. Wo sind eigentlich die Väter?", betonte Schipanski. Über deren Rolle müsse diskutiert werden. Sie forderte auch mehr Aufklärung zu Hilfen für verzweifelte werdende Mütter. Sie vermute, eine der Ursachen für die Kindstötungen - die es allerdings in der Geschichte schon immer gegeben habe - könne die "wachsende Verunsicherung bei jungen Frauen" sein, sagte Schipanski. (mpr/dpa)

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