Nach dem Hackerangriff : Der Bundestag geht offline

Der Bundestag nimmt sein Computersystem vorübergehend vom Netz. Der Grund: Generalüberholung nach einem großen Hackerangriff. Aus Sicht einer Expertin reicht das nicht aus.

Bundestagsabgeordnete während der Sitzung des Bundestages. dpa
Bundestagsabgeordnete während der Sitzung des Bundestages.Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Der Bundestag zieht Konsequenzen aus dem schweren Hackerangriff: Das Computersystem des Parlaments wird für die kommenden Tage abgeschaltet und überarbeitet. Ziel sei ein „sauberes und sichereres System“, sagte Bundestagssprecher Ernst Hebeker am Donnerstag. Im Mai war bekanntgeworden, dass unbekannte Täter einen Trojaner in das IT-System geschleust und Daten abgezweigt hatten.

Kritik von mehreren Seiten

Nach Ansicht einer Expertin des Chaos Computer Clubs nicht mit der bloßen Überarbeitung des Computersystems ist es damit nicht getan. Die Bundestagsverwaltung müsse auch dafür sorgen, dass die Software auf dem neuesten Stand bleibe, sagte Sprecherin Constanze Kurz der Deutschen Presse-Agentur. Zudem müsse sie die Abgeordneten über mögliche Gefahren informieren. „Der Nutzer ist immer ein Risiko.“

„Man muss davon ausgehen, dass der Bundestag für Monate ein offenes Buch für die Angreifer war“, sagte Kurz. Das sei aus ihrer Sicht peinlich für das deutsche Parlament. Die Bundestagsverwaltung müsse nun dafür sorgen, Sicherheitslücken zu schließen. „Das wird nicht einfach werden.“ Zudem müssten die Parlamentarier gut informiert werden, auf was sie in Zukunft zu achten hätten.

Auch der netzpolitische Sprecher der Grünen, Konstantin von Notz, spricht von einem „durchaus schwerwiegenden“ Angriff. Die Informationspolitik kritisierte er als „völlig unzureichend“. „So wissen wir bis heute nicht, welche Gremien von Datenabflüssen betroffen waren und welche Teile der IT-Infrastruktur nun ersetzt werden“, teilte er auf dpa-Anfrage mit.

Ablauf der IT-Arbeiten

Ursprünglich sollten die Rechner vergangene Woche abgeschaltet werden. Die Arbeiten wurden aber wegen der Sondersitzung zum neuen Griechenland-Hilfsprogramm verlegt. Das IT-System soll  voraussichtlich im Laufe des Montags wieder einsatzfähig sein. Solange können die Abgeordneten nicht auf das Computersystem und ihre Bundestags-E-Mails zugreifen. „Das ist ein einmaliger Vorgang, dass man den Bundestag offline nimmt“, sagte Kurz.

Zu Details der Generalüberholung schweigt der Bundestag aus Sicherheitsgründen. Nach Informationen aus Parlamentskreisen wird aber nicht nur die Software neu aufgesetzt, sondern es werden auch zentrale Server ausgetauscht. Die Abgeordneten können vorerst nicht auf das System zugreifen, also zum Beispiel auf ihre Bundestags-E-Mails, die Terminverwaltung oder Unterlagen im Intranet.

Die Arbeiten fallen noch in die offizielle Sommerpause. Die Rechner sollten am Donnerstagabend runtergefahren werden. Voraussichtlich im Laufe des Montags soll das Computersystem dann wieder zur Verfügung stehen. Bundestagspräsident Norbert Lammert warnte die Abgeordneten schon einmal vor, sie sollten sich rechtzeitig informieren, wie die Wiederanmeldung funktioniert.

Er wolle verzweifelte Anrufe von Kollegen vermeiden, „sie hätten gehört, ab Montag wäre das System wieder verfügbar - sie kämen nur nicht rein“, hatte Lammert am Mittwoch in einer Sondersitzung des Bundestags erklärt. Die Abgeordneten müssen ihr Passwort ändern. Für das kompliziertere Verfahren bei Smartphones und Tablets gebe es eine Anleitung im Intranet, die man im Zweifelsfall ausdrucken möge. (dpa)

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