Politik : Nach dem "Kursk"-Desaster: Putin präsentiert sich als geläuterter Herrscher

Mit einem geschickten Schachzug sicherte Präsident Wladimir Putin sich auch die für ihn wichtige Unterstützung der personell und materiell angeschlagenen russischen Armee. Neben seiner wohlkalkulierten, öffentlichen Übernahme der Verantwortung für die "Kursk"-Tragödie nahm er am Mittwochabend die Streitkräfte vor allzu großen Schuldzuweisungen in Schutz - statt in den allgemeinen Chor der Kritiker der missglückten Rettungsmission einzustimmen. Gleichzeitig versuchte der Kreml-Chef sich vom Geist sowjetischer Militärmoral zu lösen, indem er altbekannte Verhaltensweisen vermied: Eine vorschnelle Entlassung vermeintlich verantwortlicher Militärs als reine Signalmaßnahme blieb aus. So will Putin als geläuterter Führer erscheinen.

Juri Korgonjuk vom Politikinstitut "Indem" sieht in Putins Äußerungen nichts als "Verkleidung", die ihren einzigen Zweck darin habe, die Kritiker zum Schweigen und das Volk wieder auf seine Seite zu bringen. "Bevor er die Oligarchen und damit die liberalen Führer Russlands der letzten zehn Jahre beschuldigt, hätte Putin erkennen müssen, dass die militärische Führung als allererste die Ressourcen der Roten Armee ausgeplündert hat", sagte Korgonjuk.

Angesichts der Kritik an den Mängeln bei den Rettungsarbeiten an der "Kursk" vor allem aus Norwegen wurde indes in den russischen Medien ein doppelt Getroffener präsentiert: Der Marine-Kapitän Wladimir Giletin, dessen Sohn Boris an Bord des Atom-U-Boots ums Leben kam, widersprach den Vorwürfen. "Ich war dabei, und als Vater eines der eingeschlossenen Matrosen war ich wahrscheinlich an einer Rettung mehr interessiert als irgendjemand sonst", sagte Giletin vor Journalisten. Er räumte aber ein, dass der Marine kein modernes Rettungsgerät zur Verfügung stand. Die russischen Rettungskräfte hätten aber in bester Absicht gehandelt und geglaubt, Überlebende retten zu können.

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