Nach dem Missbrauchsskandal : Vatikan geht schärfer gegen Pädophile vor

Nach dem Missbrauchsskandal: Nach einigen turbulenten Monaten fasst der Vatikan in der kircheninternen Pädophiliekrise offenbar wieder Tritt.

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Rom - Die neuen „Normen bezüglich schwererer Delikte“, welche die Glaubenskongregation diesen Donnerstag vorgelegt hat, machen einen wesentlich geschlosseneren Eindruck als jene verstolperten „Leitlinien“, die der Vatikan vor drei Monaten nervös und ohne jegliche Erläuterungen ins Internet gestellt hatte.

Neu – und diesmal sogar formgerecht im Kirchenrecht verankert – ist folgendes: Ein Kleriker, der sich an Minderjährigen vergeht, kann „in sehr schwer wiegenden Fällen“ auch ohne Strafprozess entlassen werden. Kommt es zu einem innerkirchlichen Prozess, dann können dort nun auch Nichtpriester und Laien über einen Kleriker zu Gericht sitzen – damit, auch wenn nicht ausdrücklich erwähnt, sogar Frauen. Das ist eine kirchenrechtliche Revolution. Neu ist auch, dass Kleriker schon im Lauf einer strafrechtlichen Voruntersuchung zeitweise suspendiert oder aus ihrer Pfarrei entfernt werden können.

Der Missbrauch geistig Behinderter wird auf die gleiche Stufe gestellt wie der Missbrauch Minderjähriger. Die Verjährungsfrist für Missbrauchsdelikte steigt von zehn auf zwanzig Jahre, gerechnet vom 18. Lebensjahr des Opfers an. Strafbar machen sich Kleriker ab sofort auch dann, wenn sie „in übler Absicht pornografische Bilder von Minderjährigen unter 14 Jahren erwerben, aufbewahren oder verbreiten“. Damit hat die Glaubenskongregation einen neuen Straftatbestand ins Kirchenrecht eingeführt.

Anders als die „päpstliche Schweigepflicht“, die für Missbrauchsprozesse bekräftigt wird, bleibt die Zusammenarbeit mit staatlichen Strafverfolgungsbehörden unerwähnt; der Pressesprecher des Vatikan, Federico Lombardi, weist aber darauf hin, dass die „Leitlinien“ vom April zur Beachtung staatlicher Melde- und Anzeige-Vorschriften aufrufen. Die Glaubenskongregation erarbeite darüber hinaus weitere Vorschriften zum „wirksamen Vorgehen“ gegen sexuellen Missbrauch, erklärte Lombardi: „Das wird ein weiterer entscheidender Schritt dazu sein, dass die Kirche die Lehren aus dieser schmerzhaften Krise in dauerhafte Praxis übersetzt.“ Paul Kreiner

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