Nach dem Parteitag : Wohin die FDP reisen wird

Es ist kaum acht Wochen her, da wollte die FDP den Berliner Parteitag nutzen, um ihren Chef Philipp Rösler loszuwerden. Der hat das zu verhindern gewusst und lässt den Machtkämpfen um sich herum freien Lauf. So könnte sie aussehen, die neue FDP.

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Beide gehen lachend nach Hause: Rainer Brüderle und FDP-Chef Philipp Rösler. Zwei Tage und eine ziemlich lange Nacht haben die FDP-Mitglieder an diesem Wochenende geredet und gewählt. Es gab zum Schluss keine herausragenden Sieger, aber richtig verloren hat auch niemand.
Beide gehen lachend nach Hause: Rainer Brüderle und FDP-Chef Philipp Rösler. Zwei Tage und eine ziemlich lange Nacht haben die...Foto: dpa

Manchmal sind es die kleinen Gesten, die eine Welt verändern können. Verbeugungen, die aus Kriegsgegnern Partner machen, oder Kopfstöße, die einen fairen Kampf als bitterste Vernichtung in Erinnerung bleiben lassen. An diesem Sonntag ist es ein kleines Lächeln von Rainer Brüderle.

Der Pfälzer hat gerade eine ganze Stunde lang vor den FDP-Delegierten des Parteitages geredet. Sehr leise hat er gesprochen, sehr bedacht jedes Wort von seinen Zetteln aufgenommen. So gar nicht der FDP-Fraktionschef, den man kennt. Das „Brüllerle“, wie ihn manche nennen, weil er sein Publikum gern anschreit, die Gegner kraftvoll als „Kommunisten“ oder auch schon mal als „Weicheier“ deklassiert und derbe Witze reißt, auch Herrenwitze, wie man weiß.

Als Brüderle seine Zettel schließlich zusammenschiebt an diesem Sonntag im Neuköllner Hotel „Estrel“ und der Beifall der 600 Liberalen unten im Saal schon tost, da taucht plötzlich am Rande seines Blickfeldes Guido Westerwelle auf. Mehr als zehn Jahre hat der die FDP mit massiver Härte geführt, bevor die Methode W. selbst zum größten Problem der Liberalen geworden zu sein schien.

Postengerangel in der FDP
Am kommenden Wochenende trifft sich die FDP in Berlin zum Bundesparteitag. Einziges Ziel: Die Führung der Partei soll neu gewählt werden. Der Parteitag war kurzfristig einberufen worden, nachdem die Kritik am Parteivorsitzenden Philipp Rösler immer lauter geworden war. Anfang Januar hatte Entwicklungsminister Dirk Niebel den FDP-Chef beim Dreikönigstreffen besonders deutlich kritisiert – Nun muss Niebel damit rechnen abgestraft zu werden. Drei Stellvertreterposten hat die die FDP zu vergeben und noch mal drei so genannte „Beisitzer“. Doch die Bewerberzahl wird immer größer. Wer setzt sich durch, wer verliert? Philipp Rösler muss zeigen, dass er seine Partei vor der Bundestagswahl im Griff hat. Nur einer hat seinen Job schon sicher: Rainer Brüderle, Spitzenkandidat seiner Partei und FDP-Fraktionschef im Bundestag.  Weitere Bilder anzeigen
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07.03.2013 16:48Am kommenden Wochenende trifft sich die FDP in Berlin zum Bundesparteitag. Einziges Ziel: Die Führung der Partei soll neu gewählt...

Nun plötzlich lächelt Brüderle. Nur eben so hingehaucht, sichtbar für die, die weit vorn stehen an der Bühne. Und er winkt ihn, Westerwelle, näher heran, ruft auch die anderen, die frisch gewählte Führungsmannschaft zu sich. Dass sich die Wachablösung erst jetzt vollzieht, zwei Jahre nach dem Ende der Ära Westerwelle in Rostock, teilt sich gar nicht recht mit. Aber es ist so. Die Details erzählen es.

Zwei Tage und eine ziemlich lange Nacht haben die FDP-Mitglieder an diesem Wochenende geredet und gewählt. Es gab zum Schluss keine herausragenden Sieger, aber richtig verloren hat auch niemand, der es nicht vorher schon erwarten durfte wie Dirk Niebel.

Randfiguren traten plötzlich ins Rampenlicht, Hoffnungsträger bekamen Dämpfer verpasst. Sonntagmittag stehen sie alle für das Schlussbild zusammen, mit blutigen Nasen, und klopfen sich gegenseitig den Staub aus den Kleidern. So geht sie zu Ende, die die One-Man-Show, bei der der Boss für sich in Anspruch genommen hatte: „Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt es einen, der die Sachen regelt – und das bin ich.“ Ob das Schiff FDP bis zur Bundestagswahl in sechs Monaten noch Feuer unter den Kessel zu bringen und die Segel zu setzen weiß – man wird sehen. Aber mehr als nur einen Kapitän gibt es schon. Eine Mannschaft nämlich rauft sich da langsam zusammen. Es ist der letzte Schritt, um sich vom Personenkult und der Machterwartung um ihren früheren Vorsitzenden zu lösen. Und dass der Schritt nicht so triumphal ausgefallen ist, liegt daran, dass diejenigen, die ihm folgten, die Boy Group um Philipp Rösler, nun ihrerseits schon eine Achterbahnfahrt der Gefühle hinter sich haben.

Es ist noch keine acht Wochen her, da hätte kein Mensch mehr einen Pfifferling darauf verwettet, dass Rösler den nächsten Parteitag der FDP als Vorsitzender übersteht. Er kann der Partei keine neue Richtung verordnen, er hat die Führung nicht im Griff und seine Reden auf Kongressen oder anderen Parteitreffen wurden immer ideenärmer, lustloser. „Der muss weg“, da sind sich fast alle um ihn herum einig, und zwar je schneller, umso besser. Schließlich ist ja bekannt: Wer mit einem schwachen Vorsitzenden in die Bundestagswahl zieht, hat schon am Start verloren.

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