Nach dem Referendum : Bald herrscht Moskauer Zeit auf der Krim

Moskau hat sein Ziel erreicht: Die Bevölkerung der Krim hat sich mit großer Mehrheit für den Anschluss an Russland entschieden. Wie geht die Kreml-Administration nun weiter vor?

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Freudentänze in Simferopol
Freudentänze in SimferopolFoto: AFP

Auf der Krim sind die Würfel gefallen: für die Rückkehr in den Schoß von Mütterchen Russland, zu dem die Schwarzmeerhalbinsel bis 1954 gehörte. Über Details und den konkreten Fahrplan verhandeln die Spitzen von Regierung und Legislative seit Montagabend in Moskau. Änderungen zum Gesetz über den Beitritt neuer Gebiete wird die russische Duma am Freitag nun doch nicht beschließen. Der Beitritt der Krim werde dadurch jedoch nicht verzögert, die geltende Gesetzgebung erlaube „andere Mechanismen“ für den Anschluss. Wegweisendes dazu erwarten Duma und Senat von der Rede Putins am Dienstag vor beiden Häusern im Großen Kremlpalast zur Krim-Krise.

Bei Umfragen sprach sich eine große Mehrheit der Russen für den Russland-Beitritt der Krim aus. Mehr noch: Mit Putins harter Haltung in der Krim- Krise hat Moskau sich aus Sicht seiner Bürger definitiv den Status einer Weltmacht zurückerobert. Der ist 63 Prozent aller Russen wichtiger als ein hoher Lebensstandard. Zu diesem Ergebnis kam das Lewada-Zentrum, Russlands letztes unabhängiges Meinungsforschungsinstitut. Auch die Kurse russischer Unternehmen gingen nach dem Referendum steil nach oben. Die Privatwirtschaft will im Beitrittsgebiet umgerechnet bis fünf Milliarden US-Dollar investieren, der russische Staat Aufträge in ähnlicher Höhe für die Modernisierung der Infrastruktur vergeben.

Schon in dieser Woche soll der russische Rubel offizielle Währung auf der Krim werden, für eine Übergangsfrist von sechs Monaten zusammen mit der ukrainischen Griwna. Auch der Beitritt zur Moskauer Zeit – sie ist der ukrainischen im Winter um zwei Stunden voraus – soll rasch erfolgen. Das gesamte Anschluss-Procedere würde Krim-Premier Sergei Aksjonow gern in nur zwei Wochen über die Bühne bringen. Russische Politiker rechnen dagegen mit bis zu drei Monaten. Dieser Termin fiele mit den ukrainischen Präsidentenwahlen zusammen. Putin, so glauben Verschwörungstheoretiker, werde versuchen, in Kiew einen prorussischen Kandidaten an die Macht zu hieven, um sich mit diesem über einen Kompromiss für die Krim zu einigen.

Die Abspaltung weiterer russischsprachiger Regionen sei unwahrscheinlich, glaubt Gleb Pawlowski. Er gehörte, bevor er in Ungnade fiel, zu Putins einflussreichsten Beratern. Sollten auch dort russische Truppen einmarschieren, wäre für den Westen die Schmerzgrenze überschritten. Krieg gegen die ostslawischen Brüder sei zudem auch bei der Masse der Russen unpopulär. Andere glauben, Moskau könnte doch zu Gewalt gezwungen sein: um Strom-, Wasser- und Gasleitungen zu schützen, die aus der Ukraine auf die Krim führen.

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