Nach dem Streit um griechische Reformen : Varoufakis hat Respekt vor Wolfgang Schäuble

Der ehemalige griechische Finanzminister lobt die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel und macht auch sonst überraschende Geständnisse.

Varoufakis und Schäuble: Wie zwei Boxer.
Varoufakis und Schäuble: Wie zwei Boxer.Foto: Neil Hall/REUTERS

Der frühere griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hat überraschend eine gewisse innere Nähe zu seinem deutschen Widersacher Wolfgang Schäuble (CDU) bekundet. Beide hatten sich in der Euro-Schuldenkrise ein hartes Ringen um den Reformkurs geliefert. „Wolfgang wollte mir noch nicht einmal die Hand geben“, erzählte der im Juli zurückgetreten Grieche in ein Art Jahresrückblick im Magazin „Stern“. Er habe aber immer Respekt gehabt vor dem deutschen Minister. Sie seien gewesen „wie zwei Boxer, die eine Weile Schläge ausgetauscht haben und sich dann einander näher fühlen als irgendeinem anderen Menschen“.

Erst im Oktober hatte Varoufakis bei einer Veranstaltung in der Berliner Volksbühne seine inhaltliche Nähe zu Schäuble betont. Mit seinem klaren Nein zur europäischen Austeritätspolitik habe er lediglich das finanziell Verantwortbare und moralisch Richtige getan. Der Bailout für Griechenland sei in Wahrheit ein Bailout für die deutschen und französischen Banken gewesen, nur neun Prozent des ersten Kredites aus dem Jahr 2010 seien beim griechischen Staat angekommen. Diese Sichtweise findet ihm zufolge auch unerwartete Unterstützer: „Tief in seinem Inneren ist Wolfgang Schäuble meiner Meinung“, sagte er damals. 

Gegenüber dem "Stern" sagte er nun, dass ihm die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) imponiere: „Vielleicht würde ich als Deutscher Merkel wählen“, sagte Varoufakis dem "Stern". Sigmar Gabriel dagegen sei der „schlimmste Politiker, den ich getroffen habe“. Der SPD-Chef habe geäußert, man werde nicht die „überzogenen Wahlversprechen einer zum Teil kommunistischen Regierung“ finanzieren.

Sein Verhältnis zu Premierminister Alexis Tsipras ist dagegen nicht ganz spannungsfrei. Er habe ihn seit August nicht mehr gesehen, sagte er gegenüber dem "Stern". Gewählt habe er ihn nicht mehr. (dpa)

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