Nach dem Terror in Frankreich : Al-Qaida-Ableger droht mit weiteren Anschlägen

Die Kanzlerin sieht den Islam als Teil der deutschen Gesellschaft. In vielen deutschen Städten fanden erneut Kundgebungen von und gegen "Pegida" statt. Am Mittwoch erscheint die erste Ausgabe des Satire-Magazins nach dem Anschlag – mit drei Millionen Exemplaren. Die Ereignisse des Tages zum Nachlesen.

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Massive Polizeipräsenz in Paris: Landesweit sollen 4700 Polizisten zum Schutz jüdischer Einrichtungen eingesetzt werden.
Massive Polizeipräsenz in Paris: Landesweit sollen 4700 Polizisten zum Schutz jüdischer Einrichtungen eingesetzt werden.Foto: reuters

23:00 Uhr: Nach den Anschlägen im Großraum Paris hat der Ableger des Terrornetzwerks Al-Qaida im Islamischen Maghreb (Aqmi) mit weiterer Gewalt in Frankreich gedroht. Sollte Paris seine "islamfeindliche" Politik nicht überdenken, werde es neue Anschläge geben, teilte Aqmi in einer am Montag auf islamistischen Websites veröffentlichten Botschaft mit.
Zuvor hatte bereits Al-Qaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap) mit weiterer Gewalt in Frankreich gedroht. Die beiden Brüder Chérif und Said Kouachi, die am Mittwoch den blutigen Anschlag auf die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" verübten, sollen Verbindungen zu Aqap gehabt haben.

22:00 Uhr: Die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" wird am Mittwoch mit einer Rekordauflage von drei Millionen Exemplaren erscheinen. Das enorme Interesse weltweit nach dem blutigen Anschlag rechtfertige diese hohe Auflage, teilte der Vertrieb MLP am Montag mit. Nach dem Angriff war zunächst eine Rekordauflage von einer Million angekündigt worden; üblicherweise werden 60.000 Exemplare gedruckt.

21:00 Uhr: In Berlin ist die Demonstration des "Pegida"-Ablegers "Bärgida" erneut durch Gegendemonstranten blockiert worden. Mehr dazu hier.

20:30 Uhr: Die USA haben es als Fehler bezeichnet, keinen hochrangigen Vertreter zum Gedenkmarsch für die Terror-Opfer nach Paris geschickt zu haben. „Wir hätten jemanden mit einem höheren Profil schicken sollen“, gestand Präsident Barack Obamas Sprecher Josh Earnest am Montag in Washington ein. Die USA stünden jedoch hinter den Franzosen, sagte Earnest. Den Marsch mit mehr als 1,5 Millionen Menschen bezeichnete er als bemerkenswert.

Obama war für seine Abwesenheit bei dem Marsch zum Gedenken der 17 Opfer der islamistischen Anschläge in Frankreich kritisiert worden. Daran hatten an der Seite von Präsident François Hollande mehr als 40 Staats- und Regierungschefs teilgenommen. Zwar hielt sich US-Justizminister Eric Holder zu Gesprächen mit Sicherheitsvertretern in Paris auf, bei dem Solidaritätsmarsch wurden die USA allerdings durch die Botschafterin Jane Hartley vertreten.

Earnest verwies auf die umfassenden Sicherheitsvorschriften, die bei Besuchen des US-Präsidenten zu beachten seien, und betonte, dass die Planung für den Marsch in Paris erst Freitagabend begonnen habe. Nun will US-Außenminister John Kerry am Donnerstag und Freitag Paris besuchen, um Solidarität zu zeigen.

Frankreichs Präsident François Hollande mit Kanzlerin Angela Merkel und Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi beim Gedenkmarsch für die Opfer des Terrors in Frankreich – hochrangige US-Vertreter waren nicht vor Ort.
Frankreichs Präsident François Hollande mit Kanzlerin Angela Merkel und Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi beim Gedenkmarsch...Foto: dpa

19:45 Uhr: Das US-Militär ist am Montag offenbar Opfer eines Hacker-Angriffs einer pro-islamistischen Gruppe geworden. Der Twitter-Account des Central Command zeigte das Bild eines vermummten Dschihadisten und den Schriftzug “i love you isis“. ISIS ist eine andere Bezeichnung für die Islamisten-Milz IS. In mehreren Kurzbotschaften wird unter anderem im Namen Gottes die “Fortsetzung des Cyber-Dschihads durch das Cyber-Kalifat“ ausgerufen. Zudem wurde eine Namensliste von Generälen mit ihren Anschriften veröffentlicht mit der Überschrift “Amerikanische Soldaten, wir kommen, seht euch vor!“. Mittlerweile ist der Account gesperrt worden.

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Berlin gedenkt der Terroropfer von Paris
Berlin gedenkt der Terroropfer von Paris

19:15 Uhr: Die Anhänger der islamfeindlichen Pegida-Bewegung sind in Dresden zu ihrer ersten Kundgebung seit den islamistischen Anschlägen in Frankreich zusammengekommen. In der sächsischen Landeshauptstadt versammelten sich am Montagabend mehrere tausend Demonstranten. Offizielle Schätzungen der Polizei zu der Teilnehmerzahl werden erst im Verlauf des Abends erwartet.

In Dresden hatten die Pegida-Organisatoren die Teilnehmer aufgefordert, mit Trauerflor für die Toten von Paris zu erscheinen. Einige der Demonstranten halten den Spruch "Je suis Charlie" in die Höhe, mit dem sich nach den Anschlägen weltweit hunderttausende Menschen mit den Opfern des Angriffs auf die französische Satirezeitung "Charlie Hebdo" solidarisch erklärt und für die Meinungsfreiheit demonstriert hatten.

Bei der "Pegida"-Demonstration in Dresden sind erneut viele schwarz-rot-goldene Flaggen zu sehen – und auch einige "Je Suis Charlie"-Plakate.
Bei der "Pegida"-Demonstration in Dresden sind erneut viele schwarz-rot-goldene Flaggen zu sehen – und auch einige "Je Suis...Foto: Reuters

18:30 Uhr: Zehntausende Menschen demonstrieren in mehreren Städten gegen das Anti-Islam-Bündnis Pegida. Allein in München beteiligen sich 20.000 Menschen am Abend an einer Demonstration unter dem Motto „München ist bunt“. „Wir stehen auf gegen jede Form von Rassismus, Antisemitismus und rechter Gewalt“, sagte der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) bei der Kundgebung.

In Leipzig protestieren nach Polizeiangaben rund 4600 Menschen gegen den ersten Aufmarsch von Legida. 2500 Menschen nahmen an einem Gebet in der überfüllten Leipziger Nikolaikirche teil. In Dresden folgten dem Aufruf des Bündnisses „Dresden Nazifrei“ zunächst einige hundert Menschen. Dort hat Pegida für den Abend zu einem Trauermarsch für die Opfer des islamistischen Terrors von Paris aufgerufen.

In Berlin haben sich rund 2000 Menschen vor dem Bundeskanzleramt versammelt, um gegen eine Demonstration des Berliner Pegida-Ablegers Bärgida zu protestieren. Mehr zu den Kundgebungen in Berlin lesen Sie hier.

17:50 Uhr: Merkel sieht Islam als Teil der deutschen Gesellschaft

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warnt nach den Terroranschlägen in Paris vor einer pauschalen Verurteilung der rund vier Millionen Muslime, die in Deutschland leben. Der frühere Bundespräsident Christian Wulff habe gesagt, der Islam gehöre zu Deutschland. „Dieser Meinung bin ich auch“, sagte Merkel am Montag in Berlin nach einem Treffen mit dem türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)

14:50 Uhr: Bundestag soll über Terror debattieren
Der Bundestag soll am Donnerstag über die Terroranschläge in Paris und die Schlussfolgerungen für die deutsche Politik debattieren. Nach Informationen des "Tagesspiegel" aus Koalitionskreisen soll Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dazu eine Regierungserklärung abgeben. Anschließend sollen die Fraktionen in einer etwa einstündigen Aussprache Gelegenheit bekommen, ihre Positionen darzulegen. Geplant sei auch eine kurze einleitende Ansprache von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU).

14:25 Uhr: Leipzig hebt Karikaturen-Verbot für "Legida"-Demo auf

Die Stadt Leipzig hat das umstrittene Verbot von Mohammed-Karikaturen beim ersten Aufmarsch des islamfeindlichen "Legida"-Bündnisses wieder aufgehoben. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) sagte am Montag im Sender MDR Info zur Begründung, das Recht auf freie Meinungsäußerung sei grundgesetzlich so stark geschützt, dass man hier nicht eingreifen dürfe.

Vor dem Hintergrund der Terrorattacken in Paris hatte die Stadt zunächst die Auflage erlassen, dass bei der Kundgebung am Montagabend keine Mohammed-Karikaturen gezeigt werden dürften, weil diese als Provokation verstanden werden könnten.

Jung sagte, es habe gegen die Entscheidung der Stadt zahlreiche Einsprüche aus der Bürgerschaft gegeben. Der Deutsche Journalistenverband DJV hatte die Ansicht vertreten, die Stadt Leipzig überschreite mit dem Karikaturenverbot ihre Kompetenzen. Es sei nicht Aufgabe eines Ordnungsamtes, über die Zulassung von Mitteln der Satire zu entscheiden.

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