Nach dem Tod von Freddy Gray : Bürgermeisterin entlässt Polizeichef von Baltimore

Seit dem Tod des Afroamerikaners Freddy Gray nach einem Polizeigewahrsam ist Baltimore nicht mehr zur Ruhe gekommen. Die Gewalt in der US-Stadt uferte aus. Jetzt hat die Bürgermeisterin Konsequenzen gezogen.

Die Bürgermeisterin der US-Stadt Baltimore, Stephanie Rawlings-Blake
Die Bürgermeisterin der US-Stadt Baltimore, Stephanie Rawlings-BlakeFoto: Reuters/Bryan Woolston

Nach dem Tod des jungen Schwarzen Freddie Gray in der Folge eines Polizeigewahrsams und angesichts der ausufernden Gewalt in Baltimore ist der Polizeichef der US-Großstadt fristlos entlassen worden. Der bisherige Polizeichef Anthony Batts werde übergangsweise durch seinen bisherigen Stellvertreter ersetzt, sagte Baltimores Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake. "Das ist keine einfache Entscheidung", fügte die Bürgermeisterin hinzu. Die vergangenen Wochen hätten aber gezeigt, dass "zu viele auf unseren Straßen sterben".

Seit Jahresbeginn wurden in der Ostküstenstadt 155 Morde verübt und 303 Schießereien gezählt. Zuletzt wurden am Dienstag auf einem Hochschulcampus drei Menschen erschossen. Im gesamten vergangenen Jahr hatte es in Baltimore 105 Morde und 163 Schießereien gegeben. Batts war im September 2012 nach Baltimore geholt worden, um die städtische Polizei zu modernisieren. Er erntete für seinen Umgang mit den Krawallen nach dem Tod von Gray Kritik.

Der 25-jährige Schwarze Freddie Gray hatte bei seiner Festnahme am 12. April so schwere Rückenmarksverletzungen erlitten, dass er ins Koma fiel und eine Woche später starb. Die Beamten sollen den an Händen und Füßen gefesselten Afroamerikaner im Polizeitransporter bäuchlings mit dem Kopf nach vorne auf den Boden des Fahrzeugs gelegt und nicht angeschnallt haben. Ende Mai wurden sechs Polizeibeamte offiziell angeklagt, drei von ihnen wegen fahrlässiger Tötung und einer wegen Totschlags. Ihnen drohen Haftstrafen zwischen zehn und 30 Jahren.

Grays Tod wurde von vielen als neuer Fall von tödlicher Polizeigewalt gegen unbewaffnete Schwarze in den USA verurteilt. Der Fall löste in Baltimore gewalttätige Proteste aus. Autos und Gebäude gingen in Flammen auf, Geschäfte wurden geplündert. Hunderte Menschen wurde festgenommen. Zwischenzeitlich galt in Baltimore eine nächtliche Ausgangssperre und die Nationalgarde wurde in die Stadt geschickt.

Wenige Stunden vor Batts' Entlassung hatte die Polizeigewerkschaft von Baltimore dem Polizeichef und der Bürgermeisterin in einem Bericht vorgeworfen, sie hätten die Beamten nicht ordentlich für den Einsatz bei Krawallen ausgebildet und ausgerüstet. Rawlings-Blake wies aber Mußtmaßungen zurück, die Entlassung von Batts stehe im Zusammenhang mit diesen Vorwürfen. (AFP)


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