Nach dem tödlichen Anschlag von Quebec : Kanada bleibt offen

Kanadas Premierminister Justin Trudeau verurteilt den tödlichen Terroranschlag auf eine Moschee in Quebec - und will die kanadischen Werte der Offenheit und Diversität verteidigen.

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Teilnehmer einer Mahnwache zum Gedenken an die Opfer eines Angriffs auf eine Moschee in Quebec stehen in Montreal beisammen.
Teilnehmer einer Mahnwache zum Gedenken an die Opfer eines Angriffs auf eine Moschee in Quebec stehen in Montreal beisammen.Foto: dpa

Tausende Kanadier haben am Montagabend bei Mahnwachen im ganzen Land ihre Verbundenheit mit der muslimischen Gemeinde demonstriert – aber auch ihre Entschlossenheit, Kanada auch nach dem tödlichen Anschlag auf eine Moschee in Quebec als offenes und tolerantes Land zu erhalten. Und Premierminister Justin Trudeau scheint entschlossen, die „kanadischen Werte der Offenheit und Diversität“ zu verteidigen. Er wird dazu die Gelegenheit haben, wenn er demnächst US-Präsident Donald Trump trifft.

„Dies war ein Angriff auf die innersten und am meisten geschätzten Werte der Kanadier, die Werte der Offenheit, der Vielfalt und der Freiheit der Religion. Wir werden dadurch nicht eingeschüchtert, wir werden nicht mit mehr Gewalt auf Gewalt reagieren. Wir werden Angst und Hass mit Liebe und Mitgefühl entgegentreten“, sagte Premierminister Justin Trudeau am Montag im Parlament und am Abend mit ähnlichen Worten in Quebec. An die eine Million Kanadier muslimischen Glaubens gerichtet sagte Trudeau, das Verbrechen gegen die muslimische Gemeinschaft sei ein Terrorakt gegen Kanada und gegen alle Kanadier.

Auch die konservative Interims-Parteivorsitzende Rona Ambrose und der sozialdemokratische Parteivorsitzende Tom Mulcair riefen zur Solidarität mit den Muslimen auf: „Wir versprechen, dass wir zusammenstehen und gegen die Kräfte des Hasses, der Bigotterie, der Islamfeindlichkeit und gegen jene, die mit der Politik der Angst und der Spaltung hausieren gehen, kämpfen werden“, sagte Mulcair. Er nannte keinen Namen, aber viele Zuhörer verstanden dies als Absage an die Politik von Donald Trump.

Trudeau hatte sich am Wochenende, als Trump sein vorübergehendes Einreiseverbot für Menschen aus sieben überwiegend muslimischen Länder verfügte, demonstrativ hiervon abgesetzt. Unter dem Hashtag #WelcomeToCanada schrieb er am Samstag auf seinem Twitter-Account „an alle, die Verfolgung, Terror und Krieg entfliehen, Kanadier werden euch willkommen heißen, unabhängig von eurem Glauben. Vielfalt ist unsere Stärke“. Trudeau fügte seinem Tweet ein Foto bei, das den Premierminister zeigt, wie er vor einem Flüchtlings- oder Einwandererkind in die Hocke gegangen ist, um es freundlich zu begrüßen.

Kanada hat in den vergangenen Jahren mehrere Terrorakte erlebt

Im Parlament fragte Mulcair Trudeau am Montag, wie er zu Trumps Bann für Menschen aus verschiedenen muslimischen Ländern stehe. „Ich werde stets die kanadischen Werte der Offenheit und Diversität verteidigen“, antwortete Trudeau auf die Frage. Offenheit und Vielfalt mache Kanada nicht nur wohlhabend, sondern auch sicher. Dafür werde er immer eintreten – „in diesem Haus und anderenorts“, sagte er vor den Abgeordneten.

Kanada hat in den vergangenen Jahren mehrere Terrorakte erlebt. Im Herbst 2014 waren zwei Angehörige des kanadischen Militärs von Einzeltätern getötet worden. Zumindest einer von ihnen, der das Parlament in Ottawa stürmte, hatte psychische Probleme. Beide aber fühlten sich von Dschihadisten inspiriert, ohne direkte Bindungen an Islamisten zu haben.

Der Anschlag von Montag war, was Opfer und Täter angeht, ganz anderer Art. Dass Trumps Sprecher Sean Spicer den Anschlag von Quebec als Beleg dafür sieht, dass Trumps Einreisebann für Menschen aus sieben muslimischen Ländern richtig sei, wurde in Kanada mit Verwunderung aufgenommen. Kanadische Medien wiesen Spicer darauf hin, dass Muslime in Quebec Opfer seien und der mutmaßliche Täter ein junger Quebecer.

Auf diese Verwechslung von Opfer und Täter durch Spicer kann Trudeau ebenfalls hinweisen, wenn er, wie der kanadische Rundfunk am Dienstag meldete, noch in dieser Woche zu Trump nach Washington reisen wird. Gerd Braune

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