Nach Dementi zugegeben : Castor-Gegner doch mit Drohne beobachtet

Erst dementiert, jetzt zugegeben: Die niedersächsische Polizei hat beim Schutz des Castor-Transports nach Gorleben mehrfach eine Mini-Drohne für Aufklärungsflüge eingesetzt.

Und Haken dran. Bis zum nächsten Mal. Der Castor-Transport 2010 ist Geschichte. Der Widerstand bleibt.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Reuters
17.11.2010 07:48Und Haken dran. Bis zum nächsten Mal. Der Castor-Transport 2010 ist Geschichte. Der Widerstand bleibt.

Der mit Kameras bestückte Drehflügler sei während des Castor-Transports viermal verwendet worden, sagte am Dienstag eine Sprecherin der Polizeidirektion Lüneburg und bestätigte Angaben der Bürgerinitiative (BI) Lüchow-Dannenberg. Nach einem Testflug habe es drei Einsätze der Drohne gegeben. „Die Polizei nutzt den Drehflügler zur Dokumentation von Einsätzen und für Aufklärungszwecke“, fügte die Sprecherin hinzu.

Einsatzleiter Friedrich Niehörster sei unmittelbar nach Einsatzende noch nicht über die Flüge mit dem Gerät informiert gewesen, sagte die Polizeisprecherin weiter. Niehörster hatte nach dem Castor-Einsatz vor der Presse Flüge der Drohne zunächst in Abrede gestellt.

Die BI Lüchow-Dannenberg bezeichnte die Ausspähung der Proteste gegen den Castor-Transport mit Hilfe der Drohne als „rechtlich äußerst problematisch“. Die ferngesteuerte Drohne sei von der Polizei erstmals bei einem Castor-Transport eingesetzt worden, sagte BI-Sprecher Wolfgang Ehmke. „Fotos und Videoaufnahmen der Drohne verletzen das Persönlichkeitsrecht von Demonstranten“, kritisierte er.

Nach Ansicht der Grünen-Fraktionschefin im Europäischen Parlament, Rebecca Harms, bestätigt der Einsatz solcher Mittel, dass der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit der Mittel seine Gültigkeit verloren hat. Da die Gorleben-Pläne politisch nicht durchsetzbar seien, greife der Staat zu allen Mitteln, den Bürgerprotest zu kontrollieren und abzuwehren, erklärte Harms am Dienstagabend in Brüssel.

Selbst wenn die Polizei sich bei den Räumungen der Sitzblockaden um angemessenes Vorgehen bemüht habe: „Der skandalöse Generalverdacht, unter den die Regierung die Demonstranten mit dem Drohneneinsatz stellt und der Gorlebeneinsatz insgesamt, sind für eine Demokratie unwürdig.“ Nach Angaben des niedersächsischen Innenministeriums ist die Polizei-Drohne 91 Zentimeter lang und mit vier Rotoren, einer Tageslicht- und einer Dämmerungskamera ausgestattet. Die Bilder der Mini-Drohne werden in Echtzeit an deren Bodenstation übertragen und können dort aufgezeichnet werden. (dapd)

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