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Nach den Anschlägen in Brüssel : Sportpolitiker: Dem Terror nicht nachgeben

Sollen nach den Anschlägen in Brüssel Großereignisse wie die bevorstehenden Fußball-Länderspiele abgesagt werden? Sportpolitiker sind dagegen.

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Berliner Olympiastadion: Hier soll am Samstag Deutschland gegen England spielen.
Berliner Olympiastadion: Hier soll am Samstag Deutschland gegen England spielen.Foto: Kay Nietfeld/dpa

Sportpolitiker der im Bundestag vertretenen Parteien werben dafür, die Absage von Fußballspielen als Reaktion auf den Terror in Brüssel möglichst zu vermeiden. Ziel der Terroristen sei es, die westliche Gesellschaft in Angst und Schrecken zu versetzen, argumentieren sie vor den Länderspielen am Samstag in Berlin und am Dienstag in München. Dem dürfe nicht nachgegeben werden.

Der sportpolitische Sprecher der Union und frühere Olympiasieger Eberhard Gienger hält die Absage von Großereignissen nur in Ausnahmefällen für das richtige Mittel. "Wo will man da ansetzen: Ist das schon eine Partie der Fußballbundesliga oder ein gut besuchtes Handballspiel? Das halte ich für schwierig." Da Terroristen sich "weiche Ziele" aussuchten, um Menschen zu verunsichern auf den "Angstfaktor" setzten, werde kein Weg an mehr Kontrollen vorbeiführen, "nicht nur im Sport, sondern an allen Brennpunkten", auch wenn dies das Leben normaler Bürger gelegentlich einschränke. "Polizei, Geheimdienste und Militär werden, auch über nationale Grenzen hinweg, in Zukunft stärker zusammenarbeiten müssen", sagte Gienger.

Brüssel habe leider bestätigt, "dass Attentäter gezielt Orte mit vielen Menschen aufsuchen, um ihre barbarischen Taten zu verüben", sagte die sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag, Michaela Engelmeier. Die Sicherheitsbehörden seien zum Glück "sensibel im Nahebereich oder im Umfeld von Sportveranstaltungen". Events wie das Länderspiel am Wochenende in Berlin müssten wie geplant stattfinden, "um zu zeigen, dass wir uns unsere Freiheit nicht nehmen lassen und Sport die Menschen weiterhin verbindet".

"Wo soll das aufhören?", fragte André Hahn, sportpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag und erklärte: "Man kann nicht dem Terror komplett nachgeben und alle größeren Veranstaltungen in Zweifel ziehen oder absagen." Er habe Vertrauen dazu, dass die Sicherheitsbehörden in der Lage seien, die Stadien abzusichern, betonte Hahn, der auch Vorsitzender des für die Kontrolle der Geheimdienste zuständigen Parlamentarischen Kontrollgremiums im Bundestag ist.

"Es gibt keinen absoluten Schutz", sagte der Linke-Politiker dem Tagesspiegel. Es wäre allerdings ein großer Erfolg der Terroristen, wenn nun Großereignisse - als neben Sportveranstaltungen etwa auch Konzerte - nicht mehr stattfinden würden. Strenge Kontrollen seien notwendig, "übereilte Absagen" dürfe es indes nicht geben, "wenn es keine konkreten Hinweise auf Terrorgefahr gibt". Zur kurzfristigen Absage des Länderspiels im November gegen die Niederlande in Hannover sagte Hahn: "Im Rückblick waren die Informationen nicht so hart, dass die Absage in allen Punkten nachvollziehbar war."

Ähnlich argumentierte der sportpolitische Sprecher der Grünen, der Berliner Bundestagsabgeordnete Öczan Mutlu. "100-prozentige Sicherheit gibt es nie", sagte er. Eine Absage der bevorstehenden Länderspiele aber sei nur gerechtfertigt, wenn es Verdachtsmomente und konkrete Sicherheitsinformationen gebe. Es sei "Ziel der Terroristen, unser Leben durch Angst und Panikmache zu verändern". Gerade deshalb sollte die Bevölkerung zu Konzerten und Fußballspielen gehen und trotzdem einkaufen, "auch um zu zeigen: Wir lassen uns nicht einschüchtern".

Bisher ist nicht vorgesehen, das Länderspiel der deutschen Mannschaft gegen England am Samstag im Berliner Olympiastadion abzusagen. Auch das Spiel gegen Italien am Dienstag in München soll wie geplant stattfinden. Nach Angaben des Deutschen Fußballbundes (DFB) gibt es für die beiden kommenden Länderspiele derzeit keine konkreten Hinweise auf eine Gefährdung. Die Sicherheitsvorkehrungen sind noch einmal erhöht worden.

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