Nach den Anschlägen in Spanien : Ein Verdächtiger von Barcelona kommt frei

Vier mutmaßliche Attentäter von Barcelona sind erstmals vor einem Richter erschienen. Einer durfte unter Auflagen gehen, ein anderer gestand weitere Anschlagspläne.

Trauer um die Opfer des Anschlags in Barcelona auf der Flaniermeile Las Ramblas Gedenken
Trauer um die Opfer des Anschlags in Barcelona auf der Flaniermeile Las Ramblas GedenkenFoto: dpa/AP/Santi Palacios

Durch die Zerschlagung der mutmaßlichen Terrorzelle ist Spanien offenbar einem sehr viel schwereren Anschlag entgangen: Einer der Festgenommenen gestand nach Justizangaben am Dienstag vor einem Richter, gemeinsam mit Komplizen große Anschläge auf wichtige Sehenswürdigkeiten in Barcelona geplant zu haben. Die vier überlebenden Mitglieder der mutmaßlichen Terrorzelle waren erstmals einem Richter vorgeführt worden, der sie formell verschiedener Terrorvergehen beschuldigte. Ein Verdächtiger wurde anschließend unter Auflagen freigelassen.

Das Geständnis stammt laut Justiz von dem festgenommenen Mohamed Houli Chemlal. Die Zelle habe "einen Anschlag noch größeren Ausmaßes geplant", hieß es aus Justizkreisen. Dieser Anschlag habe "auf Monumente abzielen" sollen.

Die Anhörung fand unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen am Nationalen Gerichtshof in Madrid statt. Der Richter Fernando Andreu erhob mehrere Beschuldigungen gegen Chemlal und andere Verdächtige: Verantworten müssen sie sich unter anderem wegen terroristischer Morde, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Besitzes von Sprengstoff. Während gegen zwei Verdächtige Haftbefehl erlassen wurde, wurde ein weiterer unter Auflagen freigelassen. Den Fall eines vierten Verdächtigen will der Richter weiter prüfen.

Chemlal war am vergangenen Mittwochabend in Alcanar bei einer Explosion kurz vor den Anschlägen verletzt worden. Mit seinem Attentats-Geständnis vor dem Gerichtshof in Madrid bestätigte er nach Justizangaben seine Aussage aus einem Polizeiverhör.

Bei den Anschlägen von Barcelona und Cambrils wurden am vergangen Donnerstag und Freitag 15 Menschen getötet und mehr als 120 verletzt. Von den zwölf mutmaßlichen Mitgliedern der Terrorzelle leben nur noch die vier, die nun in Madrid vor Gericht standen. Die übrigen acht wurden von der Polizei erschossen oder starben bei der Explosion in einem Haus in Alcanar. Dort hatten die Attentäter nach dem Stand der Ermittlungen ein Lager mit Chemikalien zur Herstellung von Sprengstoff angelegt.

Ein Polizeiauto vor dem Nationalen Gerichtshof in Madrid.
Ein Polizeiauto vor dem Nationalen Gerichtshof in Madrid.Foto: Gabriel Bouys/AFP

Dem Gericht vorgeführt wurden nach Angaben aus Justizkreisen außer dem 21-jährigen Chemlal Driss Oukabir, Mohammed Aallaa und Salh El Karib. Chemlal ist ein Spanier aus der spanischen Nordafrika-Exklave Melilla. Die anderen drei Verdächtigen sind Marokkaner. Der 28-jährige Driss Oukabir ist ein älterer Bruder des 17-jährigen Moussa Oukabir, der an dem Auto-Anschlag in Cambrils beteiligt war und dort mit vier weiteren mutmaßlichen Mitgliedern der Terrorzelle von der Polizei erschossen wurde. Der 27-jährige Aallaa ist der Eigentümer des Audi, der bei dem Anschlag in Cambrils eingesetzt wurde.
El Karib, ein Freund von Driss Oukabir, hat ebenso wie ein großer Teil der Mitglieder der Terrorzelle in Ripoll am Fuße der Pyrenäen seinen Wohnsitz. Er betreibt dort einen Call-Shop für billige Auslandsgespräche. Er soll laut Presseberichten 34 Jahre alt sein.

Der Hauptattentäter, der 22-jährige Younes Abouyaaqoub, der vergangene Woche einen Lieferwagen in eine Menschenmenge auf Barcelonas Flaniermeile Las Ramblas gesteuert haben soll, wurde am Montag von der Polizei erschossen. Der mutmaßliche Kopf der Terrorzelle, der Imam Abdelbaki Es Satty, kam am vergangenen Mittwoch bei der Explosion im Versteck der Gruppe in Alcanar ums Leben.

Die Attentäter von Barcelona und Cambrils sollen von dem aus Marokko stammenden Imam radikalisiert worden sein. Zu den Anschlägen in Katalonien hat sich die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt. Nach den Anschlägen werden noch immer 48 Verletzte im Krankenhaus behandelt, von denen acht in Lebensgefahr schweben. (AFP)

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