• Nach den Anschlägen von Brüssel: Regierungschef Michel stand möglicherweise im Visier der Terroristen

Nach den Anschlägen von Brüssel : Regierungschef Michel stand möglicherweise im Visier der Terroristen

Nach den Berichten mehrerer belgischer Medien galt offenbar auch der Brüsseler Regierungschef Charles Michel als Ziel der Terroristen. In der Nähe des Unterschlupfs der Attentäter vom 22. März wurde den Berichten zufolge ein Computer mit Fotos und Pläne vom Büro des Premiers gefunden.

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Der belgische Premierminister Charles Michel.
Der belgische Premierminister Charles Michel.Foto: imago/Belga

Nach den Berichten mehrerer belgischer Medien stand auch der belgische Regierungschef Charles Michel möglicherweise im Visier der Terroristen. So berichtete die Zeitung "Le Soir", in der Nähe eines Terroristen-Verstecks im Brüsseler Ortsteil Schaerbeek seien auf einem sichergestellten Computer Fotos und Pläne vom Büro des Premiers gefunden worden. Von dem Unterschlupf aus war am 22. März jenes Terroristen-Kommando gestartet, das für die Explosionen am Flughafen Zaventem verantwortlich war. In der Wohnung waren anschließend zahlreiche Sprengsätze gefunden worden.

Belgische Behörden geraten zunehmend in die Kritik

Nach den Anschläge von Brüssel stehen derweil die belgischen Ermittlungsbehörden zunehmend in der Kritik. Die belgischen Behörden sahen sich dem Vorwurf aus den Niederlanden ausgesetzt, die Attentate nicht verhindert zu haben, obwohl sie über Informationen von US-Behörden zu zwei Brüsseler Attentätern verfügt hätten. Die belgische Polizei wies den Vorwurf zurück.
Bei den Vorwürfen ging es erneut um eine Terrorwarnung in Zusammenhang mit den Brüdern Ibrahim und Khalid al Bakraoui, die am Brüsseler Flughafen und in der Metrostation Maelbeek Sprengsätze gezündet hatten. Bereits in der vergangenen Woche hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärt, sein Land habe Belgien im vergangenen Jahr darüber informiert, dass Ibrahim al Bakraoui ein „ausländischer terroristischer Kämpfer“ sei. Nun erklärte erklärte der niederländische Justizminister Ard van der Steur vor dem Parlament in Den Haag, dass die belgischen Behörden über US-Informationen zu den potentiellen Attentätern verfügt hätten.

Nach der Darstellung des Ministers wurden die Niederlande am 16. März von US-Behörden über die von den Bakraoui-Brüdern ausgehenden Gefahr informiert, worauf diese Information fünf Tage vor den Anschlägen an die belgische Bundespolizei weitergegeben worden sei. Im Nachbarland wurden diese Vorwürfe zurückgewiesen: Bei einem Treffen der belgischen und niederländischen Polizei am 17. März sei es nicht um die Bakraoui-Brüder gegangen, sondern um eine Razzia im Brüsseler Vorort Forest, bei der ein Verdächtiger getötet wurde.

Allerdings musste der niederländische Justizminister van der Steur am Mittwoch seine Angaben vom Vortag korrigieren, wonach die US-Bundespolizei FBI vor den Attentätern gewarnt habe. Die Information habe von der New Yorker Polizeibehörde (NYPD) gestammt, erklärte der Minister nun.

Polizei in Belgien erhält Unterstützung vom FBI

Inzwischen erhält die belgische Polizei bei der Suche nach den Hintermännern der Anschläge von Brüssel Hilfe von der US-Bundespolizei FBI. Das FBI untersuche derzeit Laptops, die in Verbindung mit den Attentätern stünden, hieß es am Dienstag aus US-Regierungskreisen. Die Computer seien von der belgischen Polizei zur Verfügung gestellt worden und am Freitag in den USA angekommen.

Die USA hatten Belgien Unterstützung bei der Aufklärung der Anschläge zugesagt. Am Samstag hatte US-Präsident Barack Obama gesagt, FBI-Agenten seien vor Ort in Brüssel, um ihren Kollegen zu helfen. Nach Einschätzung von US-Experten sind die belgischen Sicherheitskräfte überbeansprucht und haben mit einer Reihe von kulturellen, finanziellen und politischen Problemen zu kämpfen, wie der Sprachbarriere zwischen flämischen und französischsprachigen Ermittlern.

Bei den Explosionen am Brüsseler Flughafen und an einer U-Bahn-Station vor einer Woche kamen 35 Menschen ums Leben, darunter die drei Attentäter. Die belgischen Behörden hatten zuletzt von 38 Toten gesprochen. Es habe sich jedoch herausgestellt, dass drei Menschen doppelt gezählt wurden, teilte Gesundheitsministerin Maggie De Block über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. 94 Menschen werden immer noch im Krankenhaus behandelt. (mit rtr)

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