• Nach den Anschlägen von Brüssel: Sollen Eingänge von Flughafengebäuden kontrolliert werden?

Nach den Anschlägen von Brüssel : Sollen Eingänge von Flughafengebäuden kontrolliert werden?

Die EU erwägt Kontrollen am Eingang von Flughafengebäuden. Manche Experten lehnen das ab. Es würde die Warteschlangen nur vorverlegen - das "weiche Ziel" bliebe bestehen.

Rainer W. During
Bundespolizisten und ein Hundeführer der Bundespolizei mit seinem Tier patrouilieren am 22.03.2016 in einen Terminalbereich des Flughafens in Frankfurt am Main.
Bundespolizisten und ein Hundeführer der Bundespolizei mit seinem Tier patrouilieren am 22.03.2016 in einen Terminalbereich des...Foto: dpa

Nach den Anschlägen von Brüssel sind auch in Deutschland die Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen und Bahnhöfen gegen den Terrorismus verstärkt worden. Doch anders als bei der teilweise martialischen Abschottung, die Reisende von manchen Airports vorwiegend in Asien oder Lateinamerika kennen, kann in Europa jedermann unkontrolliert in den öffentlichen Bereich eines Flughafens gelangen. Muss hier jetzt nachgebessert werden?

In manchen Ländern gibt es bereits auf der Zufahrtsstraße, einen Kilometer oder mehr vor dem Terminal, einen Checkpoint mit bewaffneten Sicherheitskräften, die alle Fahrzeuge argwöhnisch mustern und Verdachtskontrollen vornehmen. Und bereits am Eingang des Terminals werden alle Gepäckstücke durch ein Röntgengerät geschoben, an manchen Flughäfen auch die Personen bereits einer Kontrolle unterzogen.

Besonders streng sind die Kontrollen am Ben Gurion-Flughafen in Tel Aviv, der deshalb als sicherster Airport der Welt gilt. Dort werden Reisende zusätzlich einer Befragung unterzogen. Zumindest an den großen europäischen Flughäfen sind Maßnahmen in diesem Umfang schon wegen des weitaus größeren Verkehrsaufkommens nicht realisierbar, heißt es beim Flughafenverband ADV. Zum Vergleich: In Tel Aviv werden jährlich rund 15 Millionen Passagiere abgefertigt, das entspricht dem Aufkommen von Hamburg-Fuhlsbüttel, dem fünftgrößten deutschen Flughafen. In Brüssel sind es 23 Millionen, in Berlin-Tegel 21 Millionen, in München 41 und in Frankfurt 61 Millionen. Dazu kommen jeweils Millionen von Verwandten und Freunden, die Fluggäste zu Flughafen begleiten oder von dort abholen.

Als Reaktion auf die Anschläge von Brüssel erwägt die EU-Kommission einem Zeitungsbericht zufolge die Einführung von Sicherheitskontrollen, die bereits vor dem Betreten eines Flughafengebäudes stattfinden sollen. "Das macht Sinn, weil dann alle Besucher von Flughäfen schon vor Betreten der Terminals überprüft würden", zitierte die "Welt" vom Mittwoch "hohe Kreise" der Behörde.

In der EU-Kommission sei in diesem Zusammenhang darauf verwiesen worden, dass auch der Moskauer Flughafen Domodewo nach einem Selbstmordanschlag 2011 solche Kontrollen erfolgreich eingeführt habe, heißt es in dem Bericht weiter. "Personenkontrollen vor dem Flughafengebäude führen zu Beeinträchtigungen und Kosten, aber sie können einen positiven Effekt auf die Sicherheit haben und sind machbar."

Der Innenring in Tegel kann jederzeit geschlossen werden

Der frühere Sicherheitschef des Frankfurter Flughafen-Betreibers Fraport, Volker Zintel, sprach dagegen von einer "Phantomdiskussion". Es gebe nun einmal immer eine Schnittstelle zwischen der Sicherheitskontrolle und dem öffentlichen Bereich, sagte Zintel der "Rhein-Zeitung". Selbst beim Vorziehen der Kontrolle beginne der öffentliche Bereich irgendwo. "Dann stellt sich der potenzielle Attentäter in Zukunft einfach vor das Terminal", sagte Zintel.

Abgesehen von der Tatsache, dass viele europäische Flughäfen schon wegen Rettungswegen und Brandschutzbestimmungen nicht für eine Verlegung der Kontrollen in den Eingangsbereich geeignet sind, sehen Sicherheitsexperten darin nur eine Verlagerung der sicherheitskritischen Zonen. Da es dann vor den Terminals zur Bildung von langen Warteschlangen käme würde sich das Gefahrenpotential nur vor die Gebäude verschieben.

Indessen haben die Behörden die Präsenz in Bahnhöfen und den öffentlichen Bereichen der Flughäfen verstärkt. „Die Sicherheitskräfte in Deutschland sind entsprechend sensibilisiert worden“, sagte Innenminister Thomas de Maizière. „In solchen Fällen werden Schutzmaßnahmen in den Bereichen der kritischen Infrastruktur getroffen.“ Dazu gehöre lageabhängig auch eine sichtbare und robuste Präsenz und Ausstattung an den entsprechenden Orten. „Die Sicherheitsmaßnahmen wurden auch an den deutschen Flughäfen intensiviert“, so ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. „Die deutschen Flughäfen setzten alles daran, die Bundespolizei und Behörden bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben zu unterstützen.“

Am Berliner Flughafen Tegel können Autofahrer in den Innenring und damit unmittelbar vor die Check-in-Bereiche der einzelnen Gates fahren. „Wir haben am Dienstag in Absprache mit der Bundespolizei Maßnahmen getroffen, die auch die Parkhäuser und Zufahrten betreffen“, sagt Flughafensprecher Lars Wagner. Einzelheiten teile man aus Sicherheitsgründen nicht mit. „Eine Sperrung des Innenrings für Fahrzeuge am Flughafen Tegel kann bei einer konkreten Gefährdungslage jederzeit und unverzüglich erfolgen“, so Wagner. Dauerhaft sei dies „operativ nicht sinnvoll und auch keine Lösung des Problems“, da sich ein mögliches Gefahrenpotential nur verschieben würde.  

Bereits seit dem 1. September 2015 werden Passagiere und ihr Handgepäck an europäischen Flughäfen aufgrund einer neuen EU-Verordnung bei der Kontrolle auch auf Spuren von Sprengstoffen überprüft. Dabei werden Hände, Gürtel und Gepäck mit einem speziellen Papierstreifen abgewischt der anschließend in einem Detektor analysiert wird. Die Kontrollen, de pro Person rund eine Minute in Anspruch nehmen, finden stichprobenartig statt. Ob und in welchem Umfang die Zahl der Überprüfungen nach den Anschlägen von Brüssel erhöht wurde, ist nicht bekannt.

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