Politik : Nach den Landtagswahlen: CDU: Nun wollen sie nur noch gemeinsam sein

Robert Birnbaum

Jürgen Rüttgers hat noch die falsche Platte aufgelegt: "Die Debatte hier in Berlin hat den Wahlkämpfern nicht geholfen", merkt der nordrhein-westfälische CDU-Chef am Montag früh an, als sich die CDU-Spitzen im Konrad-Adenauer-Haus zur Wahl-Nachbetrachtung treffen. Aber über Fehler der Vergangenheit und ähnlich unangenehme Dinge mag an diesem Tag keiner reden.

So friedlich gestimmt hat die CDU der Wahlsonntag mit dem unerwarteten Triumph des Ministerpräsidenten Erwin Teufel in Baden-Württemberg, dass der gleichzeitige Untergang des Christoph Böhr in Rheinland-Pfalz mit den mildest möglichen Kommentaren bedacht wird. Niemand widerspricht, als Böhr verkündet, er werde Landeschef bleiben und es eben in fünf Jahren noch einmal versuchen. Ja es ist von rührenden Solidaritätsbekundungen zu berichten: Sie werde, kündigt CDU-Chefin Angela Merkel an, mit nach Mainz fahren, um dem dortigen Landesvorstand höchstselbst zu versichern, was für ein toller Kerl Böhr sei.

"Die CDU hat gezeigt, dass sie wieder Wahlen gewinnen kann" - der Satz, mit dem Thüringens Regierungschef Bernhard Vogel am Morgen die Parteizentrale betritt, wird zum Motto der Wahlnachschau. Vogels Nachsatz "... und alte Schlachtrösser ziehen gut" wird geflissentlich überhört. Zumal nicht alle davon überzeugt sind, dass Teufel klug daran tut, jeden Gedanken an eine Nachfolge-Regelung zur Hälfte seiner neuen, fünfjährigen Amtszeit weit von sich zu weisen.

Das zweite Motto lautet: Gemeinsam. Nach "schwierigsten Monaten", sagt Merkel, habe die CDU gezeigt: "Wir können wieder gewinnen, wenn wir es gemeinsam tun." Im Präsidium und im Vorstand hat die Doppelspitzen-Diskussion der letzten Wochen keine Rolle gespielt; auch hier war man sich einig, dass Uneinigkeit nur schadet. Um so mehr will jeder zur Gemeinsamkeit beitragen. "In dieser Aufstellung", sagt denn zum Beispiel der Hesse Roland Koch, sei die CDU gut gerüstet für die Bundestagswahl. Was ja vor allem sagen will: Ich, Koch, strebe nicht nach Berlin. Und Friedrich Merz? Der Fraktionschef, der jetzt schon einen Monat lang erfolgreich Gemeinsamkeit mit der Parteichefin geübt hat, sagt gar nichts - weder als er in die Sitzung hineingeht noch als er herauskommt.

Was die CDU sonst noch aus den Wahlen lernt? Peter Müller, der Saar-Landeschef, hat gelernt, dass "klares Profil" immer besser sei, "als wenn man beliebig vor sich hin dümpelt". Das ist unschwer zu erkennen als Mahnung an die Parteichefin, der viele vorhalten, sie moderiere mehr als dass sie Linien vorgebe. Die hat verstanden: "Ganz klare Botschaft in der Sache" erwarteten die Wähler, sagt Merkel: "Was wollen wir, wo wollen wir hin?" Eine Antwort hat sie schon: Zur Wechselstimmung will die CDU 2002 hin. "Latent", glaubt Merkel, sei die bereits da.

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