Politik : Nach den Landtagswahlen: FDP: 18 Prozent Neigung - Tandem oder Vierer?

Robert von Rimscha

Sport-Fan Jürgen W. Möllemann kleidet es in zwei Bilder aus der Welt der Leibesertüchtigung. "Auch wenn der VfB Stuttgart im Formtief steckt, will Schalke doch weiter in den Uefa-Cup!" Eben. Auch wenn die Parteifreunde Walter Döring und Rainer Brüderle die Zweistelligkeit bei ihren Landtagswahlen am Sonntag verfehlt haben, will Möllemann weiter 18 Prozent für die Liberalen - und die Kanzlerkandidatur für sich selbst. Döring stärker als er? "Das hat das Volk nicht gewollt", sagt Möllemann.

Das zweite Bild des NRW-Landeschefs stammt aus dem Radsport. Deutschland sei doch stets im Vierer erfolgreich. Möllemanns Übersetzung ins Innerparteiliche: Die FDP brauche "eine überzeugende Persönlichkeit als interessanten Generalsekretär oder Generalsekretärin", zweitens einen "innovativen Fraktionsvorsitzenden", drittens einen "starken Parteichef" und viertens einen "agilen und kämpferischen Kanzlerkandidaten". Also ihn. Bei der morgendlichen Sitzung des FDP-Präsidiums am Montag hatte Noch-Chef Wolfgang Gerhardt gewarnt, die Liberalen machten sich lächerlich, wenn sie einen Kanzlerkandidaten auf den Schild höben. Solch ein Anspruch sei "überkandidelt". Im Präsidium und später im Vorstand schweigt der Kanzlerkandidatur-Kandidat dazu.

Zwischen den Gremiensitzungen stehen Gerhardt, Döring und Brüderle zusammen. "Die Verlierer", sagt ein Vertreter des Konkurrenzlagers. Neben Möllemann steht Wolfgang Kubicki aus Schleswig-Holstein an der Bar des Berliner Thomas-Dehler-Hauses. Guido Westerwelle, der kommende Chef, hat sich vorsichtshalber keinem der beiden Lager zugesellt. Denn offiziell will Westerwelle ja noch immer mit Gerhardt ein Tandem bilden. Möllemann kommentiert, das "komische Fahrzeug namens Tandem" funktioniere nie und nimmer: "Einer lenkt, und einer strampelt und sieht gar nichts?" Nein, so will Möllemann die FDP nicht geführt sehen. Und Kubicki sieht den Zwang zur "Kritik an jenen, die sich über das Projekt 18 lustig machen".

Bei der offiziellen Pressekonferenz sagen Döring, Brüderle und Gerhardt, sie hielten Zweistelligkeit für realistisch. Der Parteichef ist "mit Sicherheit überzeugt", dass das ehrgeizige Ziel, bei der Bundestagswahl über zehn Prozent zu kommen, auch erreichbar sei. "Etappenweise angehen" will er das. Möllemann hasst derlei Zurückhaltung und wählt härtere Begriffe. "Unsinn" sei es, von einem Scheitern seines Projekts zu sprechen. "Vielleicht hat es im Südwesten ein bisschen an Rückenwind aus Berlin gefehlt." 18 Prozent gebe es nur bei der "Bündelung aller Teilkräfte". Und dann dreht der Ex-Wirtschaftsminister richtig auf: "Man muss es rückhaltlos wollen." Nötig sei "eiserner Wille statt Halbherzigkeit".

Kubicki glaubt, einen Verbündeten gefunden zu haben. Mainz und Stuttgart sollten "aus Sicht von Klaus Kinkel ja entscheiden: Döring oder Möllemann. Die Wahl ist entschieden." Döring steht derweil hinter dem Rednerpult und meint: "Die Bäume wachsen nicht in den Himmel, aber sie wachsen." Man müsse die Zweistelligkeit "im Auge behalten". Brüderle behauptet, in der Pfalz habe Ministerpräsident Beck so deutlich gewonnen, weil er mit der FDP regiere: "Diese Popularität hätte er ohne diese Konstellation nicht erreicht."

Freut sich Möllemann nun über die dürren Halbsiege von Döring und Brüderle? "Ich habe bei ihm keine Schadenfreude feststellen können", sagt Döring. Möllemann selbst mahnt, "keine Potenziale zur Seite zu schieben". Er setzt auf "die vier, auf die es ankommt". Ein Kanzlerkandidat Möllemann schade Westerwelle keineswegs. "Der Wählermagnet Genscher hat dem Parteivorsitzenden Lambsdorff auch nicht geschadet." Und noch eine Einsicht hält der NRW-Chef bereit: "Die Funktion des Kanzlerkandidaten erlischt am Wahlabend. Dann verhandelt der Parteivorsitzende über eine Koalition."

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