Nach den Wahlen : Bild- und Tonausfall im Iran

Iranische Regierung bestellt ZDF-Korrespondent Hosny ein. Ein zwischenzeitlich verschleppter ARD-Techniker ist wieder auf freiem Fuß.

Joachim Huber,Adrian Pickshaus

Berlin - Die Arbeit deutscher Journalisten in der iranischen Hauptstadt Teheran wird weiterhin massiv behindert. Der ARD-Korrespondent Peter Mezger sagte dem Tagesspiegel in einem Telefon-Interview, jegliche Filmaufnahmen von Protesten gegen den offiziellen Wahlsieger und bisherigen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad seien von Regierungsstellen aus Sicherheitsgründen untersagt worden. Berichterstattung sei „momentan nur vom Fenster des Büros aus möglich“. Lediglich zum Essen und Einkaufen dürften er und seine Mitarbeiter noch auf die Straße gehen. Es gebe aber Signale, dass die Beschränkungen am heutigen Dienstag gelockert würden. Entwarnung konnte Mezger in Bezug auf das Verbleiben eines Technikers des ARD-Korrespondentenbüros geben, der am Sonntag von sechs schwer bewaffneten Mitgliedern der Revolutionären Garden verhaftet und an einen unbekannten Ort verschleppt worden war. Der Mann sei inzwischen wieder auf freiem Fuß. Die Chancen auf eine kurzfristige Entspannung im Iran stufte Mezger als gering ein: „Man kann hier nichts mehr verbieten, man kann hier nichts mehr absagen. Die Anhänger von Oppositionsführer Mussawi wollen ihrem Protest Ausdruck verleihen.“ Wann sich die Arbeitsbedingungen westlicher Journalisten wieder verbessern könnten, sei nicht abzusehen, so Mezger weiter. Der Chefredakteur von „ARD–aktuell“, Kai Gniffke, schilderte die Situation des Iran-Korrespondenten als „untragbar“ und stellte fest: „Das kann und darf nicht so bleiben.“ Bereits am Sonntag hatten ARD-Chefredakteur Thomas Baumann und sein ZDF-Kollege Nikolaus Brender gegen die Behinderung ihrer Mitarbeiter in einem Brief an den iranischen Botschafter protestiert.

Für ZDF-Korrespondent Halim Hosny hat sich die Situation am Montag erst einmal entspannt. Chefredakteur Brender sagte dem Tagesspiegel, dass die iranischen Behörden das Berichterstattungsverbot wieder aufgehoben hätten. ZDF-Korrespondent Halim Hosny war am Montag ins Ministerium für Kultur und Islamische Unterweisung (Erschat) einbestellt worden, das ausländischen Journalisten die Arbeitserlaubnis ausstellt oder entzieht.

Dort hat Hosny laut Brender die Gründe für das vorübergehende Berichtverbot erfahren: „Nach Angaben des Beamten sollte Halim Hosny vor Übergriffen geschützt werden, weshalb er in seiner Bewegungsfreiheit einschränkt worden sei“, sagte Brender. Zum anderen sei ein Beitrag kritisch erwähnt worden, der iranische Jugendliche in einem Jacuzzi gezeigt habe. Nach Brenders Angaben ist dieser Beitrag tatsächlich vor acht Jahren im ZDF gezeigt worden. Zu der aktuellen, kritischen Berichterstattung des ZDF-Korrespondenten habe sich der Erschat-Mitarbeiter nicht geäußert. Was allerdings, sagte Brender, keiner vorhersagen könne: „Was passiert, wenn Halim Hosny Proteste der Mussawi-Anhänger dreht?“

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