Nach der Einigung im Atomstreit : Freudenfeiern im Iran

Die Nachricht von der Einigung im Atomstreit löst im Iran Freudentaumel aus. Die Menschen hoffen, dass der Westen nun bald die Sanktionen aufhebt.

Viele Iraner bejubelten die Lösung des Konflikts auf den Straßen wie hier in Teheran. Foto: dpa
Viele Iraner bejubelten die Lösung des Konflikts auf den Straßen wie hier in Teheran.Foto: dpa

Als am späten Donnerstagabend die Nachricht von der Einigung im Atomstreit in Teheran die Runde macht, strömen hunderte Menschen auf die Straßen, um spontan ihrer Freude freien Lauf zu lassen. Auf der großen Vali-Asr-Straße im Norden der iranischen Hauptstadt hupen die Autos, die Menschen schwenken Fahnen, strecken die Hand mit Siegeszeichen hoch.

Die Iraner sehnen ein Ende der Isolation herbei

Für sie bietet die Einigung in Lausanne vor allem die Hoffnung auf eine Aufhebung der Sanktionen und ein Ende der Isolation ihres Landes.

"Nun werden wir normal leben können wie der Rest der Welt", sagt der 30-jährige Schauspieler Behrang Alawi inmitten der nächtlichen Freudenfeiern in der iranischen Hauptstadt. "Wie auch immer das Endergebnis der Verhandlungen sein wird, wir sind die Sieger."

In den Stunden zuvor hatten sich viele Familien um die Fernseher versammelt, um auf Nachrichten aus der Schweiz zu warten, nachdem sich dort abgezeichnet hatte, dass sich der Iran und die fünf UN-Vetomächte und Deutschland endlich einer Einigung annäherten. "Lösungen gefunden. Bereit, sofort mit der Ausarbeitung zu beginnen", schrieb Außenminister Mohammed Dschawad Sarif dann auf dem Kurzmitteilungsdienst Twitter.

US-Präsident Barack Obama hielt eine Rede an die Nation

Wenig später trat er in Lausanne zusammen mit der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini vor die Presse, um die Einzelheiten der Rahmenvereinbarung zu erklären. Am Abend wandte sich in Washington auch US-Präsident Barack Obama an die Nation, wobei die Ansprache in einem seltenen Schritt live im iranischen Staatsfernsehen übertragen wurde.

Zwölf Jahre lang dauerte der Streit

Auf den Straßen Teherans äußerten viele Iraner die Hoffnung, dass die Vereinbarung, die weitreichende Einschnitte beim Atomprogramm für einen Zeitraum von 15 Jahren vorsieht, die Sicht der Welt auf den Iran ändern werde. "Ich hoffe, dass dieses falsche Bild des Irans getilgt wird. Und dass sich unsere Beziehungen mit der Welt verbessern", sagte die 26-jährige Fatemeh Haschemian. "Ich wünschte mir, der Iran könnte jeden Tag solche Fortschritte machen, und dass keine weiteren Sanktionen gegen unser Land verhängt werden."

Der Durchbruch wird als Erfolg für Präsident Hassan Ruhani gewertet

Beobachter werteten den Durchbruch bei den Verhandlungen als wichtigen Erfolg für den moderaten iranischen Präsidenten Hassan Ruhani und seinen Außenminister Sarif, der sich seit Monaten unermüdlich für eine Einigung einsetzte. Zugleich betonten die Experten, dass die Verhandlungen sowie die Vereinbarung von Lausanne nicht ohne die Zustimmung des konservativen geistlichen Oberhaupts Ayatollah Ali Chamenei möglich gewesen wären, der in Fragen der Außenpolitik das letzte Wort hat.

Für Ayatollah Ali Chamenei ist das Atomprogramm eine Prestigefrage

Für Chamenei wie für den Großteil der politischen Elite im Iran ist das Atomprogramm eine Frage des nationalen Prestiges und die friedliche Nutzung der Atomtechnologie ein unveräußerliches Recht. Zugleich verbreitete sich aber in den vergangenen Jahren die Einsicht, dass eine gesichtswahrende Lösung gefunden werden müsse, um die schmerzhaften Sanktionen loszuwerden. Chamenei hat sich zwar wiederholt skeptisch zu den Erfolgsaussichten der Verhandlungen geäußert, zugleich aber konservative Kritiker immer wieder in die Schranken gewiesen.

Die Sanktionen hatten das Land in eine schwere Wirtschaftskrise geführt

Chamenei habe "diese Frage für die Zukunft des Landes und der Region lösen" wollen, sagte der konservative iranische Experte Amir
Mohebbian. "Das war der Plan des Oberhauptes." Er habe der Welt zeigen wollen, dass es möglich ist, trotz internationalen Drucks wissenschaftliche Fortschritte zu erzielen. Doch zugleich sei es aber wichtig gewesen, die Aufhebung der Finanz- und Handelssanktionen zu erreichen, die im Iran zu einer schweren Wirtschaftskrise geführt haben. So sei der Durchbruch auch ein Erfolg für Chamenei. AFP

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