Politik : Nach der Flugzeugkollision: Die Chinesen bestehen auf einer Entschuldigung der Amerikaner

Die chinesische Regierung hat am Samstag Hoffnungen auf eine baldige Freilassung der Besatzung des notgelandeten US-Spionageflugzeugs gedämpft. Vizepräsident Qian Qichen erklärte in einem Brief an die US-Regierung, die chinesische Seite sei mit den bisherigen Stellungnahmen aus Washington sehr unzufrieden. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete, forderte Qian von den USA eine Entschuldigung beim chinesischen Volk. US-Präsident George W. Bush und der amerikanische Außenminister Colin Powell haben ihr Bedauern über das Schicksal des vermissten chinesischen Piloten ausgedrückt, der wahrscheinlich tot ist. Qian erklärte in seinem Brief, diese Äußerungen seien jedoch nicht akzeptabel. "Die amerikanische Seite muss sich den Fakten stellen und sich entschuldigen", schrieb er.

US-Senator John Warner teilte am Freitag mit, beide Seiten bereiteten eine Erklärung vor, die einen Ausweg aus dem Konflikt ebnen soll. Der Entwurf werde Bush und dem chinesischen Staatschef Jiang Zemin zur Überprüfung vorgelegt. Warner, der Vorsitzende des Streitkräfteausschusses ist, äußerte sich nach einem Treffen mit Mitarbeitern des Geheimdienstes CIA und des Verteidigungsministeriums. Demnach sollen in der Erklärung beide Seiten ihre Version von dem Zusammenstoß des US-Flugzeugs mit dem chinesischen Abfangjäger darstellen. Die Erklärung werde keine Entschuldigung der USA enthalten.

Aus amerikanischen Regierungskreisen verlautete, der Streit könne möglicherweise dadurch beigelegt werden, dass der Fall bei einer Sondersitzung der gemeinsamen Kommission zur Sicherheit der Meere vorgetragen wird. Dazu soll offenbar die Erklärung dienen. China vertritt die Ansicht, das amerikanische Flugzeug sei in den chinesischen Luftraum eingedrungen. Die USA bestreiten dies.

Das US-Aufklärungsflugzeug war am Sonntag nach der Kollision mit der chinesischen Maschine auf der Insel Hainan notgelandet. Die 24-köpfige Besatzung wird von den Chinesen festgehalten. Die USA fordern ihre Freilassung. Der chinesische Abfangjäger stürzte nach der Kollision ab.

Die chinesischen Behörden versicherten, US-Diplomaten könnten am Samstag erneut die 21 Männer und drei Frauen treffen. Der amerikanische Militärattache, Brigadegeneral Neal Sealock, sagte, er sei zuversichtlich, dass das dritte Treffen stattfinden werde. Bereits am Dienstag und Freitag hatten Diplomaten die Besatzungsmitglieder sehen dürfen.

Zwei amerikanische Regierungsbeamte äußerten die Ansicht, dass die Besatzung möglicherweise noch an diesem Wochenende freigelassen werde. Ein anderer dämpfte dagegen die Hoffnungen. Bei solchen Verhandlungen sei immer mit Hindernissen zu rechnen, sagte er.

In einem Brief an Bush beschuldigte die Frau des vermissten chinesischen Piloten den amerikanischen Regierungschef der Feigheit. Er und seine Regierung hätten nicht den Mut zu einer Entschuldigung, schrieb Ruan Guoqin nach Berichten von Xinhua. Sie machte die USA für den Zwischenfall über dem Südchinesischen Meer verantwortlich. "Ich bete und hoffe unter Tränen, dass es ein Wunder gibt", heißt es. Ein Sprecher der US-Botschaft bestätigte den Empfang des Briefes. Das Schreiben werde an Bush weitergeleitet, sagte er. Das US-Verteidigungsministerium teilte in Washington mit, der vermisste chinesische Pilot Wang Wei sei für seine waghalsigen Flugmanöver bekannt gewesen. Er sei in den vergangenen drei Monaten mit seinem Kampfjet mehrfach sehr nah an US-Aufklärungsflugzeuge herangeflogen. In einem Fall habe er sogar einen Zettel mit seiner Email-Adresse geschwenkt. Im Gegenzug beschuldigte der Pilot der zweiten chinesischen Abfangmaschine die US-Besatzung. Das US-Spionageflugzeug sei plötzlich in Richtung der beiden chinesischen Jets abgeschwenkt.

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