Nach der Hetzjagd auf Inder : Ermittlungen gegen zwölf Tatverdächtige

Offenbar hat die Staatsanwaltschaft nach den Vorfällen in Mügeln erstmals einen konkreten Verdacht. Die Ermittlungen richten sich gegen zwölf Männer aus Mügeln und Umgebung.

MügelnKnapp zwei Wochen nach der Hetzjagd auf acht Inder im sächsischen Mügeln ermittelt die Staatsanwaltschaft inzwischen gegen zwölf Tatverdächtige. Die Männer im Alter von 17 bis 35 Jahren stammen aus Mügeln und Umgebung, wie die Behörde in Leipzig mitteilte. Ihnen wird Landfriedensbruch, Volksverhetzung und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Die Gewalteskalation sei laut Staatsanwaltschaft "von eindeutig fremdenfeindlichen Äußerungen Einzelner aus einer Menschenmenge heraus geprägt" gewesen. Nach den bislang vorliegenden Unterlagen sei keiner von ihnen zuvor wegen rechtsextremer Straftaten aufgefallen. Die Polizei hat den Angaben zufolge bisher mehr als 125 Zeugen vernommen. Dazu gehören auch die acht Inder, die bei dem Stadtfest in Mügeln von einem Mob von etwa 50 Menschen verfolgt wurden. Eine Hetzjagd durch mehrere Straßen habe es nicht geben, sagte ein Behördensprecher.

Es würden Hinweise geprüft, wonach einzelne Inder abgeschlagene  Flaschen benutzt haben sollen. Bislang gebe es aber kein Ermittlungsverfahren gegen einem Inder, sagte der Sprecher. Zudem sei zu beachten, dass sich diese gegebenenfalls auf Notwehr oder Nothilfe berufen könnten.

Derweil plädiert der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagfraktion Volker Beck für den Rücktritt des Mügelner Bürgermeisters Gotthard Deuse. Dessen Verharmlosung der Vorfälle sei "abscheulich". Darüber hinaus forderte der Grünen-Politiker die FDP-Spitze auf, sich von Deuse zu distanzieren. "Ich finde es äußerst befremdlich, dass die liberale Bürgerrechtspartei FDP herausgehobene Mitglieder mit derart sonderbaren Gewalt-gegen-Ausländer-verharmlosenden Ansichten in ihren Reihen duldet."

Die Zeitung "Junge Freiheit" hat von dem Vorfall dagegen profitiert. Im Anschluss an das Interview mit Mügelns Bürgermeister hat das Blatt nach Verlagsangaben rund 50 Probe-Abos in der 5000-Einwohner-Stadt gewonnen. (mit dpa/ddp)

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