Politik : Nach der IRA rüstet auch die britische Armee ab

Martin Alioth

Britische Abbruchkommandos rückten am Donnerstag zwei weiteren ihrer nordirischen Festungsbauten zu Leibe; schon am Mittwoch hatte der Abriss von zwei Beobachtungstürmen an der inneririschen Grenze begonnen. Die britische Regierung reagierte damit rasch und positiv auf den Beginn der Entwaffnung durch die IRA, die am Dienstagabend bestätigt worden war. Der nordirische Polizeikommandant, Sir Ronnie Flanagan, hatte diese Abrüstungsmaßnahmen empfohlen und behauptet, der Krieg der IRA stehe seiner Ansicht nach näher vor seinem Ende als jemals zuvor. Die nordirische Provinzregierung sitzt inzwischen wieder etwas sicherer im Sattel als noch zu Beginn der Woche. Die Minister arbeiten wieder an ihren Schreibtischen, aber nächste Woche muss das Parlament einen neuen Chefminister und Stellvertreter wählen, was etwas Kopfzerbrechen bereitet. Seamus Mallon, bisher stellvertretender Erster Minister von der gemäßigten Katholikenpartei SDLP, will nicht mehr antreten und lässt dem neuen Parteivorsitzenden der SDLP, Mark Durkan, den Vortritt.

Sowohl der britische Premierminister Tony Blair, als auch zahlreiche irische und nordirische Politiker haben inzwischen begonnen, die protestantischen Untergrundverbände zur Entwaffnung zu drängen. Die politischen Sprecher dieser Gruppen reagierten vorerst ablehnend, aber immerhin veröffentlichte die kleine, unberechenbare LVF eine Erklärung, in der sie die Rückkehr zu politischen Methoden ausdrücklich empfahl. Doch da sowohl die LVF wie auch die UDA/UFF nicht einmal mehr einen glaubwürdigen Waffenstillstand einhalten, scheint der Weg zu einer Entwaffnung doch noch lang.

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