Politik : Nach der Wahl in Simbabwe: Ohne Stimme

Wolfgang Drechsler

Adam Madhuku ist ein verbitterter junger Mann - und er macht keinen Hehl daraus. "Ich habe keinen Job und wenig Aussicht, einen zu finden", sagt er. "Ich habe kein Geld fürs College und nicht einmal genug, um meiner Mutter ein Brot zu kaufen." Denn die Inflation ist hoch. Wenn Adam einmal etwas Geld hat, gibt es in den Regalen in seinem Heimatland Simbabwe oft kein Brot.

Und es gibt wenig Hoffnung auf Besserung. Amtsinhaber Robert Mugabe hat nach der Auszählung fast aller Wahlbezirke die umstrittene Präsidentschaftswahl gewonnen. Auf ihn entfielen 56 Prozent der Stimmen, teilte das Wahlamt mit. Sein Herausforderer Morgan Tsvangirai erhielt 41 Prozent. Von den 5,6 Millionen Wahlberechtigen hätten 3,1 Millionen ihre Stimme abgegeben. Bei der Bekanntgabe des Ergebnisses waren die Sicherheitskräfte in höchster Alarmbereitschaft, um Unruhen zu unterdrücken, meldete das Fernsehen. Die Polizei habe an den wichtigen Zufahrtsstraßen der Hauptstadt Harare Kontrollstellen errichtet. Über dem Stadtgebiet kreisten Armeehubschrauber, berichteten Augenzeugen.

Von der chaotisch verlaufenen Präsidentschaftswahl am vergangenen Wochenende hatte sich der 21-jährige Adam eigentlich einen Neuanfang versprochen, denn der 78-jährige Mugabe ist seit der Unabhängigkeit des Landes vor 22 Jahren an der Macht. Doch daraus ist nun nichts geworden. "Ich habe mich am Samstag um vier Uhr früh hier in Glen Norah zum ersten Mal angestellt und den ganzen Tag vergeblich gewartet", erzählt er. "Dasselbe geschah am Sonntag, bis sie uns spät in der Nacht wegschickten und sagten, wir sollten am Montag um sieben Uhr wiederkommen. Doch am Montag standen um diese Zeit schon wieder Hunderte von Leuten in der Schlange - und die Wahllokale öffneten erst gegen Mittag."

Montag um 19 Uhr, als die Wahllokale offiziell geschlossen werden sollten, habe der Wahlleiter zwei anwesenden Diplomaten noch versichert, er werde die Türen erst schließen, wenn alle Wartenden ihre Stimme auch abgegeben hätten, berichtet Adam. Doch kaum waren die Beobachter gegangen, sei Bereitschaftspolizei aufgetaucht und habe die Leute mit Schlagstöcken verscheucht. Hunderte hätten wie er mehr als 30 Stunden auf die Stimmabgabe gewartet - ohne Erfolg. Adam hat Tränen der Wut in den Augen. "Meine Vorfahren sind von den Weißen kolonisiert worden", sagt er. "Ich werde von Mugabe und seinen Schlägern geknebelt."

Glen Norah ist wie alle Townships der Hauptstadt Harare eine Hochburg der oppositionellen Bewegung für einen demokratischen Wandel (MDC). Schon vor zwei Jahren hatten dort über 90 Prozent der Menschen für die MDC gestimmt. Kein Wunder, dass die Regierung Simbabwes am Tag vor den Wahlen ausgerechnet in Glen Norah die Zahl der Stimmlokale drastisch reduzierte. Und das, obwohl in Harare am Wochenende zusätzlich zur Präsidentschafts- auch noch Bürgermeister- und Kommunalwahlen anstanden.

Für Oppositionsführer Tsvangirai ist die Lage klar: "Die Regierung hatte von Anfang an die Absicht, so viele Wähler in Harare wie möglich an der Stimmabgabe zu hindern", sagt er. Seine Partei werde sich an einer solchen Farce aber nicht länger beteiligen. "Sie können mich verhaften oder auch umbringen, aber den Freiheitswillen des simbabwischen Volkes werden sie nie brechen", sagt der bullige Ex-Gewerkschafter, der die MDC seit ihrer Gründung vor drei Jahren führt. "Die Zeit der Regierung ist abgelaufen."

Trotz aller Wut über den Wahlbetrug der Machthaber appellierte Tsvangirai an seine Anhänger, ruhig zu bleiben und sich nicht provozieren zu lassen. Denn er weiß: Sobald die Opposition auf die Straße geht, wird Mugabe mit aller Macht gegen sie vorgehen. Er wartet auf eine Gelegenheit, um mit ihnen abzurechnen.

Tatsächlich hat es den Anschein, als ob Mugabes Betrugsstrategie am Ende doch aufgegangen ist. Offiziellen Zahlen zufolge drangen in Harare jedenfalls nur knapp 250 000 der hier registrierten 900 000 Wähler bis an die Wahlurne vor.

Adam Madhuku bleibt nun nur noch, auf ein Wunder zu hoffen. Er ist einer der ersten "born free", der frei Geborenen. Er kam im April 1980 auf die Welt, dem Monat, als Simbabwe seine Freiheit von den Briten erlangte. Die Früchte der Unabhängigkeit hat er aber, wie soviele andere der 12 Millionen Simbabwer, nie gekostet. Die Verantwortung dafür gibt er seinem Präsidenten. "Mugabe ist zu einem klassischen Diktator geworden und hat genau den Sieg verspielt, den er einst für uns errungen hat."

Wahlleiter Tobaiwa Mudede teilte im Fernsehen nach Auszählung aller 120 Wahlkreise mit, für Mugabe von der Partei ZANU-PF hätten knapp 1,69 Millionen Wähler gestimmt, was einem Anteil von 56,2 Prozent entspreche. An der Wahl am Wochenende hatten sich 3,1 Millionen der 5,6 Millionen Wahlberechtigten beteiligt. Für Morgan Tsvangirai, den Chef der oppositionellen Bewegung für einen Demokratischen Wandel (MDC), stimmten den Angaben zufolge rund 1,26 Millionen Wähler.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben