Nach der Wahl : Wie wird Bayern nun regiert?

Ein schwarzer Tag für die CSU. Doch was kommt jetzt? Schwarz-Rot, Schwarz-Gelb oder doch eine Koalition aus CSU und Freien?

Armin Lehmann
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Wie sieht der Plan B aus?Foto: Getty

Berlin - Natürlich muss Günther Beckstein die Frage auch beantworten, als er am Sonntagmorgen seine Stimme im eigenen Wahlbezirk in Nürnberg Nord abgibt. Es ist die Frage nach Alternativen, danach, was passieren würde, wenn es nicht reicht. Und natürlich sagt Beckstein das, was ein amtierender bayerischer Ministerpräsident sagen muss. Es gebe keinen Plan B und zwar deshalb nicht: „Weil es keinen geben muss.“

Am Abend dann, als der Absturz der CSU längst amtlich ist und längst alle in Bayern und im ganzen Land wissen, dass es nun einen Plan B wird geben müssen, da sagt Beckstein: Man sei völlig unvorbereitet auf mögliche Koalitionsgespräche. Damit hat der Ministerpräsident immerhin bestätigt, dass es wirklich keinen Plan B gibt. Allerdings sagt Beckstein dann doch noch einen weiteren Satz, der den Satz mit dem unvorbereitet sein etwas relativiert: „Mit den Grünen nicht“, sagt er. Das schließe er als Koalitionsmöglichkeit aus, aber bereit sei er schon für eine Koalition. Wahrscheinlich will Beckstein mit diesen Worten vor allem sagen: Noch regiert hier die CSU, und wenn wir schon koalieren müssen, dann suchen wir uns schon selbst unseren Partner aus.

Gut, Grüne also nicht. Und da der Spitzenkandidat der bayerischen FDP am Abend auch eine weitere der insgesamt fünf Koalitionsmöglichkeiten ausschließt, nämlich eine Viererkoalition aus Freien Wählern, Grünen, SPD und FDP, bleiben nur drei Möglichkeiten übrig. Bayern könnte demnächst also entweder mit einer großen Koalition aus CSU und SPD, einer schwarz-gelben Koalition aus CSU und FDP oder einer schwarz-blauen Koalition aus CSU und Freien Wählern regiert werden.

Nun ist es an Wahlabenden ja üblich, dass man über die wahren Absichten der Politiker nichts Genaues herausbekommt. Da hilft auch nicht, dass Beckstein sagt, man werde mit allen reden, außer eben mit den Grünen. Ein bisschen hilfreicher ist es auf den ersten Blick, dass er besonders betont, man wolle auch mit den Sozialdemokraten reden.

Wenn man eine Wahrscheinlichkeitsrechnung aufmachen müsste, dann hätte, auf den zweiten Blick besehen, die Koalition mit der SPD wohl die schlechtesten Karten. Warum sollte die CSU ausgerechnet die Partei aufbauen, die neben ihr als einzige verloren hat? Die SPD hat das schlechteste Wahlergebnis ihrer Geschichte eingefahren. Vermutlich waren die Sozialdemokraten an diesem Abend die einzigen von allen Parteien, die sich nicht wirklich über das schlechte Ergebnis der CSU freuen konnten.

Auch der Blick auf den Bund hilft nicht viel weiter bei der Frage nach Schwarz- Rot: Zwar würden Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die große Koalition im Bund ihre Mehrheit verlieren, sollte es zu einer anderen Koalition als die mit der SPD kommen – spätestens dann, wenn Hessen als CDU-Land fallen sollte. Aber wäre das ein Problem? Dann ist in Deutschland ohnehin Wahlkampf. Und dass sich die Kanzlerin ausgerechnet in Bayern für Schwarz-Rot verkämpfen soll, wo sie doch im Bund eben aus dieser Koalition raus will, leuchtet auch nicht ein.

Bleiben die Freien Wähler als Partner. Die CSU betrachtet die Freien Wähler als Fleisch von ihrem Fleische. Man kabbelt sich kräftig auf kommunaler Ebene. Die Freien wären schon deshalb ein sehr unbequemer Partner, weil sie unbedingt den Eindruck vermeiden wollen, man sei nur eine Art Anhängsel der CSU und dementsprechend handzahm.

Handzahmer wären auf jeden Fall die Liberalen. Denn die FDP ist in Bayern nach dieser Wahl so etwas wie der Riese Tur-Tur aus dem Märchen „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“: Die FDP wirkt durch den Einzug ins bayerische Parlament nach 14 Jahren Abwesenheit sehr groß – natürlich auch deshalb, weil sie als Koalitionspartner am ehesten in Frage kommt. Aber kommt man der FDP in Bayern näher, dann schrumpft der Riese. Die Wahrheit ist: In Bayern ist die FDP noch immer eine Splitterpartei. 1998 holte sie 1,7 Prozent, 2003 immerhin 2,6 Prozent. Das bedeutet, sie wird regieren, wenn sie regieren kann. Und sie wird gottfroh darüber sein und sich deshalb nicht täglich an Grundsatzfragen verkämpfen. Die Liberalen wissen nur zu gut: Sie können nur wachsen, wenn sie regieren. Das gilt im Übrigen auch für den Bund. Die Liberalen waren clever genug, ihre Wahlslogans als eine Art Umarmungsangriff auf die CSU zu verfassen: „Der Wahlzettel ist der beste Denkzettel“ – das gab die Richtung vor. „Gelb ist der deutlichste Kontrast zu Schwarz“ hat dann Abstand und ein mögliches Miteinander gleichzeitig betont.

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