• Nach Drohnenangriff auf Mullah Mansur: Vier Dinge, die man über den Tod des Taliban-Führers wissen sollte

Nach Drohnenangriff auf Mullah Mansur : Vier Dinge, die man über den Tod des Taliban-Führers wissen sollte

Jetzt hat es auch US-Präsident Obama bestätigt: Taliban-Chef Mansur wurde bei einer Drohnenattacke getötet. Die wichtigsten Fragen dazu im Überblick.

Taliban-Anführer Mullah Mansur wurde bei einem US-Drohnenangriff in der pakistanischen Provinz Baluchistan getötet.
Taliban-Anführer Mullah Mansur wurde bei einem US-Drohnenangriff in der pakistanischen Provinz Baluchistan getötet.Foto: dpa

Jetzt ist es offiziell: US-Präsident Barack Obama hat den Tod des Taliban-Anführers Mullah Achtar Mansur bestätigt, der bei einem US-Drohnenangriff in der pakistanischen Provinz Baluchistan getötet wurde. Obama sprach in einer am Montag vom WeißenHaus herausgegebenen Erklärung von einem „wichtigen Meilenstein in unseren Anstrengungen, Frieden und Wohlstand nach Afghanistan zu bringen.“ Die wichtigsten Fragen zum Tod des Top-Terroristen im Überblick.

Wer ist Mansur?

Mansur soll in den 1960er Jahren in einem Dorf in der Kandahar-Provinz geboren worden sein - ethnisch gehörte er dem Volk der Paschtunen an. Als die Taliban 1996 in Kabul an die Macht gelangt waren, wurde er Luftfahrtminister. Nach dem Sturz der Taliban-Regierung 2001 suchte er erneut in Pakistan Zuflucht. Den Taliban schloss er sich schon in den Gründungszeiten in den 90er-Jahren an. Und stieg schnell auf in ihren Reihen: Als die Islamisten 1996 in Kabul an die Macht gelangt waren, wurde er Luftfahrtminister. Nach dem Sturz der Taliban 2001 suchte er in Pakistan Zuflucht.

Talibanchef Mullah Achtar Mansur ist bei einem Drohnenangriff ums Leben gekommen.
Ein undatiertes Bild von Mansur.Foto: dpa

Als Mansur im vergangenen Juli an die Spitze der radikalislamischen Taliban trat, keimten Hoffnungen auf, für Afghanistan könne es endlich eine Friedenslösung geben. Doch die Hoffnung erwies sich als trügerisch: Mullah Mansur ließ interne Rivalen aus dem Weg räumen und verweigerte hartnäckig den Gang an den Verhandlungstisch mit der afghanischen Regierung.
Es ist Mansur nicht gelungen, aus dem Schatten seines legendären Vorgängers, des Taliban-Gründers Mullah Omar, zu treten. Schon der Führungswechsel fand unter eigenwilligen Umständen statt. Zwei Jahre lang hatten die Taliban den Tod von Mullah Omar offiziell nicht bekanntgegeben. Mansur soll einer der Hauptverantwortlichen für diese Geheimniskrämerei gewesen sein.

Wie lief die Militäroperation ab?

Dem Pentagon zufolge hatten mehrere Drohnen das Auto des Talibanchefs am Samstagnachmittag in einem entlegenen Gebiet nahe der pakistanischen Stadt Nushki südwestlich von Quetta mit Raketen beschossen. Aus taliban-nahen Kreisen hieß, im Auto hätten sich auch Mansurs Fahrer sowie ein weiterer als Mullah Mirsa Hassani identifizierter Mann befunden.

Welche Reaktionen gibt es von den Taliban?

Die Taliban äußerten sich nicht offiziell zu ihrem Anführer. Zwei hochrangige Kommandeure wiesen die Angaben über den Tod Mansurs zurück. Dennoch sei bei den Anhängern der Taliban Panik ausgebrochen, sagte einer von ihnen. Vor einigen Monaten hatte es Berichte gegeben, unter den Taliban tobe ein Machtkampf, da viele Gruppen den Führungsanspruch Mansurs nach dem Tod von Taliban-Chef Mullah Mohammad Omar vor zweieinhalb Jahren nicht akzeptierten.

Wer wird Mansur als Taliban-Chef nachfolgen?

Wer nun Mansurs Führungsposition übernehmen wird, ist nicht klar. Der gut vernetzte afghanische Analyst Ahmed Saidi sagte am Sonntag, aus Talibankreisen verlaute, dass schon in „zwei, drei Tagen“ ein Treffen zur Festlegung der Nachfolge stattfinden solle. Beobachter erwarten erneute interne Auseinandersetzungen. Der sichtbarste und mächtigste Mann ist derzeit Siradschuddin Hakkani, Mansurs Stellvertreter für Militärisches. Er kommt aber nicht aus dem Kernland der Talibanführung, dem Süden, sondern aus dem Osten. Das könnte ihn Stimmen kosten. Dennoch wird er sicher zumindest den Kampf weiterführen. Ein Ende des Krieges ist also nicht in Sicht.

Analysten schätzen auch die Chancen des zweiten Mansur-Stellvertreters hoch ein: Haibatullah Achundsada ist ein anerkannter religiöser Führer und Talibanrichter.

(jcb/dpa/rtr)

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