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Nach Gaddafis Tod : Die Stunde Null in Libyen
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Welchen Beitrag kann Deutschland leisten?

In deutschen Krankenhäusern werden gegenwärtig Dutzende von libyschen Kriegsverletzten behandelt. Ansonsten setzt die Bundesregierung darauf, dass Libyen vor allem in den Schlüsselsektoren Energie, Verkehr und Infrastruktur an deutschem Know-how Interesse zeigt. In diesen Bereichen waren deutsche Unternehmen in Libyen schon vor dem Bürgerkrieg engagiert. In Kenntnis um das Selbstbewusstsein der finanzstarken Libyer will sich Berlin mit politischen Ratschlägen zurückhalten, gerne aber Beratung und Ausbildungskapazitäten zum Aufbau demokratischer Strukturen bereitstellen, wenn der Partner dies wünscht.

Wie reagierten die USA auf die Nachricht vom Tod Gaddafis?

Die USA reagieren erleichtert. Die Regierung und die Medien hoffen überwiegend, dass das Ende des Diktators auch das Ende des monatelangen Kriegs in Libyen bedeutet. Es gibt aber auch skeptische Stimmen, die nun blutige Stammesfehden befürchten. Manche Kommentatoren erinnern warnend an die Gefangennahme Saddam Husseins im Irak 2003. Der Bürgerkrieg zwischen Schiiten und Sunniten eskalierte danach.

Präsident Barack Obama betonte, er sei „stolz darauf, was wir in Libyen erreicht haben“. Das sei zuallererst „ein Sieg des libyschen Volks“, aber daneben auch der Erfolg einer koordinierten gemeinsamen Anstrengung der Nato. „Wir können nun mit Sicherheit sagen, dass das Gaddafi-Regime Geschichte ist.“

Die „Washington Post“ lobt, dass Gaddafis Gegner die vergangenen Monate für den Aufbau einer Übergangsregierung genutzt haben. Das Blatt warnt zugleich, dass zwei Dutzend rivalisierende Milizen, die sich an den Kämpfen gegen Gaddafi beteiligt haben, nun in Tripolis und anderen Städten um Einfluss konkurrieren. Zum Teil gehorchten sie keinem zentralen Kommando. Es gebe Berichte von Folterungen und Vergewaltigungen.

Das konservative „Wall Street Journal“ beschreibt die Lage optimistischer. Trotz aller Risiken könne Libyen leichter stabilisiert werden als andere Länder der Region. Der Ölreichtum erlaube in Kombination mit einer Bevölkerung von nur 6,4 Millionen Menschen einen raschen Aufschwung, der allen zugute komme. Der Erfolg der Revolution werde den Druck auf andere Diktatoren, zum Beispiel in Syrien, erhöhen.

Die Nato-Unterstützung für die Opposition in Libyen ist nach Meinung der US-Experten kein Modell, das sich auf weitere Länder übertragen lasse. Die letzten Monate hätten erneut gezeigt, wie begrenzt die militärischen Fähigkeiten der Verbündeten in Europa seien. Denen sei bald die Munition ausgegangen. Die USA erwarten eine schonungslose Debatte dazu beim Nato-Gipfel.

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