Nach Kommunalwahl : Viele Tote bei Unruhen in Nigeria

Bei Unruhen zwischen Christen und Moslems sind in Nigeria mehrere hundert Menschen getötet worden. Auslöser der Gewalt waren die Kommunalwahlen am Donnerstag.

LagosBei blutigen Unruhen zwischen Christen und Moslems nach einer Kommunalwahl sind in Nigeria mehrere hundert Menschen getötet worden, Tausende sind vor der Gewalt auf der Flucht. In die Moschee der Hauptstadt des Bundesstaats Plateau, Jos, seien in den vergangenen zwei Tagen fast 400 Leichen gebracht worden, sagte der Imam des Gotteshauses. Ein nigerianischer Journalist berichtete von mehr als 50 Toten, die er in mehreren Krankenhäusern gezählt habe. Nigerias Regierung schickte die Armee in die Region, die Provinzregierung verhängte am Samstag eine 24-stündige Ausgangssperre.

Auslöser der Unruhen waren die Kommunalwahlen am Donnerstag. Die Gewalt eskalierte, als Gerüchte über eine Wahlniederlage der mehrheitlich muslimischen Partei ANPP gegen die christlich dominierte PDP die Runde machten und die Opposition Wahlbetrug befürchtete.  Seit Beginn der Kämpfe am Freitag wurden nach Angaben von Anwohnern mehrere Moscheen und Kirchen zerstört. Nach Angaben des Roten Kreuzes flohen mehr als 10.000 Menschen vor den Kämpfen aus ihren Häusern, mehr als 300 wurden demnach bei den Ausschreitungen verletzt. Auf den Straßen lagen verwesende Leichen, das Rote Kreuz befürchtete den Ausbruch von Seuchen.

Auch am Samstag lieferten sich Randalierer Straßenschlachten mit den Sicherheitskräften. Die Wahlkommission hatte am Samstag bekanntgegeben, dass die regierende Demokratische Volkspartei (PDP), die überwiegend von der christlichen Bevölkerung unterstützt wird, in 16 der 17 Kommunen gewonnen habe. Die Nigerianische Volkspartei, die vor allem Rückhalt bei den muslimischen Wählern hat, zweifelte das Ergebnis an.

Radio-France-Reporter berichtet von vielen Schussverletzungen



Die nigerianischen Behörden machten am Samstag keine Angaben zur Zahl der Opfer. Nigerias Präsident Umaru Yar'Adua äußerte sich in einer Erklärung "sehr traurig" über die Ereignisse. Er entsandte die Armee in die Region. Der Gouverneur des Bundesstaats Plateau, Jonah Jang, verhängte eine 24-stündige Ausgangssperre für Teile der Stadt. Die Armee eröffnete das Feuer auf jeden, der sich dennoch draußen aufhielt. Die Straßen nach Jos waren nach Angaben eines Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP am Samstag gesperrt, auch aus der Luft war die Stadt nicht erreichbar.

Ein Reporter des Rundfunksenders Radio France International sagte AFP, er habe etwa hundert Menschen mit Schussverletzungen gesehen. Diese hätten berichtet, sie seien von Schüssen der Polizei oder Armee verletzt worden. Seinen Angaben zufolge wurden rund 350 Jugendliche, Muslime und Christen, wegen ihrer Beteiligung an den Ausschreitungen festgenommen. Die Stadt Jos war 2001 bereits einmal Schauplatz gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen. Damals wurden innerhalb einer Woche ebenfalls hunderte Menschen getötet. (jvo/AFP)

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