Politik : Nach Krawallen Kritik an Londoner Polizei

London - Nach friedlichen Protesten hunderttausender Menschen gegen den drastischen Sparkurs der britischen Regierung ist es am Samstagabend in London zu Krawallen gekommen. Demonstranten lieferten sich Straßenkämpfe mit der Polizei, Scheiben von Banken und Geschäften wurden eingeschlagen und mit Farbe beschmiert. Es war die bislang größte Protestveranstaltung gegen die Regierung von David Cameron, der seit knapp einem Jahr regiert.

Aus der friedlichen Großdemonstration entwickelten sich am Nachmittag Krawalle, die bis in die Nacht hinein anhielten. Mehr als 200 Randalierer wurden festgenommen, es gab rund 80 meist leicht Verletzte, berichtete die Polizei. Zum Teil maskierte Menschen blockierten den Touristenmagneten Trafalgar Square in der Innenstadt und hinterließen Graffiti und Schäden an Gebäuden. Auch das Luxushotel Ritz wurde attackiert. Das Edel-Kaufhaus Fortnum and Mason, das zu den Hoflieferanten der Queen gehört, musste geräumt werden. Hunderte Demonstranten hatten es blockiert. Am Sonntag gab es Kritik an der Polizei, die mit etwa 4500 Beamten im Einsatz war. Wenige Wochen vor der Hochzeit von Prinz William am 29. April, bei der Hunderttausende Menschen in der Londoner Innenstadt unterwegs sein werden, fürchten Kritiker um die Sicherheit auf den Straßen. Bereits im Dezember hatte es Ausschreitungen gegeben, als Tausende Studenten in London gegen Studiengebühren protestierten.

Der Leiter der Polizeioperation, Bob Broadhurst, verteidigte das Verhalten der Beamten. „Wir haben die Schäden auf ein Minimum reduziert“, sagte er. „Wir werden niemals genug Polizisten haben, um jedes einzelne Gebäude im Londoner Zentrum zu schützen. Das ist einfach unmöglich.“ Die Randalierer seien „Kriminelle“, keine Demonstranten. Der Generalsekretär des Gewerkschaftsverbandes TUC, Brendan Barber, bat die Menschen darum, sich durch die Krawalle nicht vom eigentlichen Ziel des Marsches ablenken zu lassen. „Ich glaube nicht, dass die Aktionen von ein paar hundert Menschen den Fokus von den Hunderttausenden nehmen sollte, die eine solch kraftvolle Nachricht an die Regierung überbracht haben“, sagte er. Die Regierung müsse ihre Pläne nun „ernsthaft überdenken“.

Großbritannien kämpft gegen die Folgen der Wirtschaftskrise und versucht den Problemen mit einer Kombination aus höheren Steuern und Einsparungen zu Leibe zu rücken. Zu Jahresbeginn war die Mehrwertsteuer auf 20 Prozent erhöht und den Kommunen ein Sparprogramm auferlegt worden. Am Mittwoch hatte Schatzkanzler George Osborne den Sparkurs vorgestellt. dpa

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