Nach Lafontaine : Doppelkopf: Wie die Linke weitermachen will

Die Linke will es weiter mit einem Duo an der Spitze versuchen. Es sei denn, Gysi macht’s noch mal.

von und

Berlin - Ein Paket soll es sein, aber wie? Mit einer Doppelspitze, die es von Mai an in der Linkspartei eigentlich nicht mehr geben sollte? Oder muss Gregor Gysi, der Vorsitzende der Bundestagsfraktion, doch noch einmal ran als Parteichef? Sicher war am Montag nichts, bevor sich die Spitzen der Gremien am späten Abend zu Beratungen trafen. Mit dabei die Landesvorsitzenden aus Ost und West und der geschäftsführende Parteivorstand. Bisher sieht die Satzung der Partei vor, dass nur noch eine Person an der Spitze stehen soll. Für eine Änderung ist die Zweidrittelmehrheit auf einem Parteitag nötig.

Lafontaine hatte die Doppelspitze – quotiert nach Ost-West, Frau-Mann – vorgeschlagen, als noch nicht bekannt war, dass er auf dem Parteitag in Mai in Rostock nicht mehr kandidiert. Widerspruch gab es unter anderem von Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch, der sich nicht nur in dieser Frage eine abweichende Meinung zur Haltung des Vorsitzenden erlaubte. Jetzt hält er in der „besonderen Situation“ der Partei eine Doppelspitze zumindest für vorstellbar.

Gysi selbst hatte in der Vergangenheit ausgeschlossen, Vorsitzender der Linken zu werden. Am Wochenende ließ er Raum für Spekulationen: „Wenn ich keine Namen nenne, meine ich: wirklich keinen. Nicht mal meinen eigenen.“ Vor allem für Ost-Funktionäre war das ein Ansatz zum Nachdenken. „Gregor Gysi ist immer eine Option, das ist klar. Er ist die wichtigste Integrationsfigur, die diese Partei hat“, sagte der brandenburgische Landesvorsitzende Thomas Nord dem Tagesspiegel. Der sächsische Landeschef Rico Gebhardt ergänzte, es gebe in der Linken „nur eine Persönlichkeit, die in Ost und West auf große Akzeptanz stößt“ – Gysi. Er schränkte allerdings ein, dass dessen Wahl zum Vorsitzenden der Linken „nur ein Aufschieben eines Problems“ wäre. Auch der Landesvorsitzende von Mecklenburg-Vorpommern, Steffen Bockhahn, sagte: „Momentan muss man über alles nachdenken. Vieles aber spricht für einen Neuanfang. Die Frage ist doch: Wie will man sich für die Zukunft aufstellen?“

Macht es Gysi nicht, gelten als aussichtsreiche Kandidaten für den Parteivorsitz der aus Bayern stammende Partei- und Fraktionsvize Klaus Ernst und aus dem Osten die stellvertretende Fraktionschefin Gesine Lötzsch. Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau und Parlamentsgeschäftsführerin Dagmar Enkelmann betonten am Montag ihren Verzicht – wobei mancher sich fragte, ob dies nur ein taktischer Schachzug war.

Harmonieren könnten Ernst und Lötzsch durchaus. Beide haben sich nicht von einem Flügel vereinnahmen lassen – aus Sicht Gysis eine wichtige Voraussetzung für die Spitzenfunktion. Der 55-jährige bayerische Gewerkschafter Ernst war einer der Macher der WASG, die 2007 mit der PDS zur Linkspartei verschmolz. Der Osten war ihm fremd, die PDS besonders. Aber er hat sich eingelassen, schwärmte erst am Wochenende von den „unheimlich spannenden Leuten“, die er so kennengelernt habe – neben Gysi erwähnte er dabei namentlich Hans Modrow, Peter Sodann und den DDR-Spionagechef Markus Wolf.

Die 48-jährige Philologin Lötzsch ist bereits zum dritten Mal als Direktkandidatin für den Berliner Bezirk Lichtenberg in den Bundestag gewählt worden, mit mehr als 47 Prozent der Erststimmen im Jahr 2009. Anerkennung in ihrer Partei verschaffte sich Lötzsch, als sie im Herbst 2002 das erste Mal in den Bundestag einzog. Die PDS war damals aus dem Parlament geflogen – und Lötzsch musste eine ganze Wahlperiode lang zusammen mit Petra Pau die bisherige PDS-Fraktion ersetzen. Lötzsch arbeitete sich in die Haushaltspolitik ein, für die sie heute noch als Fraktionsvize zuständig ist. Zum ostdeutschen Reformerlager bewahrte sie immer ein wenig Distanz. Lafontaine schätzte an ihr, dass sie sich – anders als einige ihrer ostdeutschen Genossen – nie mit ihm anlegte.

Wer Bartsch als Bundesgeschäftsführer folgen soll, ist derweil völlig offen. Ambitionen hat der Lafontaine-Vertraute Ulrich Maurer. Allerdings ist dabei mit Widerstand zu rechnen, vor allem aus den Ost-Verbänden. Der sachsen-anhaltinische Landesvorsitzende Matthias Höhn? Das könnte den ostdeutschen Funktionären schon besser gefallen. Maurer jedenfalls wollen sie nicht. Ein Spitzengenosse aus dem Osten wurde noch deutlicher: Maurer sei zu verhindern, „und wenn es der letzte Aufstand des Ostens wäre“.

Autoren

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben