Nach Macron-Rücktritt in Frankreich : François Hollandes Zeit läuft ab

Frankreichs Wirtschaftsminister Macron tritt zurück – er will Präsident werden. Doch liegen ihm weder die sozialistische Partei noch die Themen. Ein Kommentar.

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Der Neue im Hintergrund? Der zurückgetretene Wirtschaftsminister Emmanuel Macron mit Präsident Francois Hollande. Foto: Philippe Wojazer/Reuters
Der Neue im Hintergrund? Der zurückgetretene Wirtschaftsminister Emmanuel Macron mit Präsident Francois Hollande.Foto: Philippe Wojazer/Reuters

Im nächsten Jahr geht in Frankreich die Ära des François Hollande zu Ende, völlig unabhängig davon, ob der amtierende Präsident der Republik noch einmal antritt oder nicht. Keiner seiner Vorgänger war ein Jahr vor dem Ende einer Amtszeit in der öffentlichen Akzeptanz so tief gesunken wie er.

Lediglich in den Stunden der großen Trauer und der beeindruckenden Solidarität nach den furchtbaren Terroranschlägen der vergangenen Monate war es ihm noch einmal vergönnt, die Einheit der Nation zu symbolisieren. Der Kampf um die Nachfolge hat längst begonnen, gerade auch innerhalb des sozialistischen Parteienspektrums.

Wirtschaftsminister Emmanuel Macron hat mit seinem Rücktritt am Dienstag ziemlich unverhohlen den Anspruch angemeldet, Kandidat der Sozialisten werden zu wollen. Schon wie er diese Demission inszenierte, verrät taktisches Geschick und ein Gespür für die Wirkung von Bildern.

Eine gegenteilige Performance

Mit einem Motorboot des Zolls ließ er sich auf der Seine nach der Übergabe seines Rücktrittsschreibens im Elysée-Palast zum Wirtschaftsministerium zurückbringen. Die Leichtfüßigkeit und Eleganz, mit der der 38-jährige, früher als Bankier extrem erfolgreiche Jungstar der Politik die wenigen Treppenstufen am Quai auf das Schiff nahm, standen geradezu in einem Generationengegensatz zur Unbeholfenheit François Hollandes bei seinen öffentlichen Auftritten.

Und auch wenn sich bei Deutschlands Nachbar im Westen viel in den zurückliegenden Jahrzehnten geändert hat, die Empfänglichkeit für solche Bilder ist geblieben. Hier kommt die Zukunft – das wollte Emmanuel Macron signalisieren.

Ob der studierte Philosoph und Absolvent der Eliteschule Ena freilich überhaupt das Prozedere möglicher Vorwahlen der Sozialisten auf dem Weg zur offiziellen Präsidentschaftskandidatur überstehen würde, ist völlig offen. Macron ist kein Sozialist, wollte es auch nie sein.

Als er vor zwei Jahren zum Wirtschaftsminister ernannt wurde, stieß er mit seiner Absicht behutsamer Reformen im Bereich der Wirtschafts- und Sozialpolitik sofort auf den erbitterten Widerstand des sozialistischen Establishments.

Ökonomie reicht als Thema nicht

Wohl auch deshalb hat er die auf ihn zugeschnittene Bewegung „En Marche!“ ins Leben gerufen, die inzwischen 60.000 Mitglieder hat. En Marche, Vorwärts, nimmt sicher nicht zufällig eine Strophe der Marseillaise, der Nationalhymne auf, in der die Franzosen aufgefordert werden, ihre Reihen zu schließen und das Land zu verteidigen.

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Frankreichs Ex-Wirtschaftsminister will Präsident werden
Frankreichs Ex-Wirtschaftsminister will Präsident werden

Dieser Ruf zur Verteidigung der Würde Frankreichs könnte sich im kommenden Jahr vor allem gegen Marine Le Pen richten, der sicheren Kandidatin des Front National. Mit einem rein ökonomischen Reformprogramm wird Macron gegen sie nicht bestehen können.

Zwar geht es der französischen Volkswirtschaft gerade wegen der fehlenden Reformen immer schlechter, aber diese Einsicht ist bei der breiten Mehrheit der Wähler noch nicht angekommen.

Also wird sich der Wahlkampf mit Fragen der Sicherheit, der illegalen Zuwanderung und der Bekämpfung des islamistischen Terrors beschäftigen – allesamt Themen, bei denen Emmanuel Macron bislang keine sonderliche Sachkompetenz gezeigt hat.

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