Politik : Nach Massenprotesten gefeuert Syrischer Präsident entlässt Gouverneur der Stadt Hama  

Damaskus - Wegen der bislang beispiellosen Massenproteste mit hunderttausenden Teilnehmern nach den Freitagsgebeten ist der Gouverneur der zentralsyrischen Stadt Hama entlassen worden. Präsident Baschar el Assad habe eine entsprechende Entscheidung unterzeichnet, berichtete die amtliche syrische Nachrichtenagentur Sana am Samstag, ohne weitere Einzelheiten zu nennen. In Hama, das etwa 210 Kilometer nördlich der Hauptstadt Damaskus liegt, hatten sich am Freitag nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mehr als eine halbe Million Menschen an einem Protestzug beteiligt. Ein Teilnehmer sagte, der Protestmarsch sei „mehr als einen Kilometer“ lang gewesen.

Wie jede Woche nach den Mittagsgebeten waren in Syrien am Freitag wieder Massen von Menschen auf die Straßen gegangen, um den Rücktritt von Assads Regierung zu fordern. Nach Angaben einer syrischen Menschenrechtsorganisation vom Samstag wurden dabei in mehreren Städten insgesamt 28 Zivilisten getötet. Allein in der nordwestlichen Stadt Idlib kamen demnach 16 Menschen ums Leben. Zunächst war von landesweit elf Toten die Rede gewesen. Seit dem Beginn der Proteste gegen Staatschef Assad in Syrien Mitte März wurden in dem Land Menschenrechtsorganisationen zufolge mehr als 1300 Zivilisten getötet. Tausende Menschen flohen zudem in die benachbarte Türkei und in den Libanon.

Die syrische Armee hat nach eigenen Angaben eine Gruppe von Offizieren und Soldaten „befreit“, die in der Provinz Idlib in einen Hinterhalt geraten waren. Die Protestbewegung, die seit März den Sturz des Regimes von Präsident Baschar al Assad fordert, erklärte dagegen, Soldaten hätten 16 Deserteure getötet.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete unter Berufung auf einen Militärsprecher, Angehörige einer Spezialeinheit hätten die Männer am Donnerstag – zwei Tage, nachdem sie verschleppt worden seien – befreit und dabei zahlreiche Extremisten getötet. Ein Aktivist der syrischen Protestbewegung an der Grenze zur Türkei sagte der Nachrichtenagentur dpa in einem Telefoninterview: „Eine Gruppe von Deserteuren, 6 Offiziere und 18 Soldaten, hatte uns telefonisch kontaktiert, weil sie in die Türkei fliehen wollten. Sie fragten, wo es noch einen sicheren Weg zur Grenze gibt. Doch dann bekam die Armee Wind davon, sie umstellten das Dorf Al Ram. Es kam am Donnerstag zu einem Gefecht zwischen beiden Seiten, bei dem 16 Deserteure getötet wurden, die restlichen Militärs wurden gefangen genommen. Wie viele der Angreifer starben, wissen wir nicht.“

Der Oppositionelle erklärte, die Wege zur türkischen Grenze seien inzwischen alle unter Kontrolle der syrischen Truppen. Deswegen habe der Ansturm der Flüchtlinge stark nachgelassen.AFP/dpa

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