Nach Mbeki-Rücktritt : Motlanthe soll Südafrikas neuer Präsident werden

Nach dem erzwungenen Rücktritt des südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki hat die Regierungspartei ANC ihren stellvertretenden Chef Kgalema Motlanthe als seinen Nachfolger nominiert. Der 59-Jähriger gilt als moderater Kandidat.

Molanthe
Kgalema Motlanthe: Der 59-Jährige soll Südafrikas neuer Präsident werden. -Foto: dpa

JohannesburgSüdafrikas neuer starker Mann, ANC-Chef Jacob Zuma, hat seinen Stellvertreter Kgalema Motlanthe als neuen Präsidenten vorgeschlagen. Motlanthe würde bis zur im April 2009 geplanten Neuwahl regieren, sobald ihn das Parlament bestätigt hat. Da der ANC allerdings mehr als zwei Drittel der Parlamentssitze hält, gilt Motlanthes offizielle Bestätigung durch das Parlament nur noch als Formsache. Im April 2009 soll in Südafrika dann ein neues Parlament gewählt werden, das wiederum einen neuen Präsidenten bestimmt. Wahrscheinlich ist, dass dann ANC-Chef Jacob Zuma als Kandidat seiner Partei für das Präsidentenamt ins Rennen geht. Eine sofortige Nominierung Zumas für das Präsidentenamt war nicht möglich, da er derzeit keinen Parlamentssitz hat.

Der 59-Jährige Kgalema Motlanthe "werde kein Interims-Präsident", sondern richtiger Staatschef mit allen dazugehörigen Befugnissen, sagte ein ANC-Fraktionssprecher am Montag. Der ANC hatte Präsident Thabo Mbeki am Wochenende zum Rücktritt aufgefordert.

Motlanthe gehört zu beliebtesten ANC-Mitgliedern

Zudem signalisiert der ANC mit der Wahl Motlanthes seinen Willen, eine interne Krise zu vermeiden. Die Partei hatte am Samstag mit der Rücktrittsaufforderung an Mbeki die Anhänger des bisherigen Präsidenten verärgert. Der als moderat geltende Motlanthe gehört zu den beliebtesten Mitgliedern der im Dezember vergangenen Jahres neu gewählten ANC-Führungsriege. Damals war Mbeki bereits als ANC-Chef entmachtet worden.

In den vergangenen Monaten hatte Motlanthe verstärkt versucht, auch die weiße Minderheit im Land sowie ausländische Investoren zu beruhigen, die sich wegen der Wahl des als populistisch kritisierten Zuma zum Parteichef Sorgen gemacht hatten. Motlanthe selbst hatte Spekulationen über seinen möglichen Aufstieg an die Staatsspitze stets zurückgewiesen. "Präsident sein, nein vielen Dank", sagte er gegenüber Journalisten.

Zuma will Stabilität gewährleisten

ANC-Chef Zuma versprach am Montag einen "sanften Übergang". "Wir tun alles in unserer Macht Stehende, um Stabilität zu  gewährleisten", sagte er. Auch der öffentliche Dienst und die bisherige Wirtschaftspolitik sollten aufrechterhalten werden. Nach  Angaben von Zuma hatte bis Montag auch noch keiner der bisherigen Minister seinen Rücktritt aus der Regierung eingereicht. Südafrikanische Medien berichteten jedoch vom Rückzug des engsten Mbeki-Beraters, Essop Pahad. Auch Vizepräsidentin Phumzile Mlambo-Ngquka hatte bereits ihren Rücktritt angekündigt.

Der 66-jährige Mbeki hatte am Sonntag nach neun Jahren an der Macht dem Parlament seinen Rücktritt angekündigt, am Donnerstag soll er sein Amt endgültig niederlegen. Zuvor hatte ihn der ANC zu diesem Schritt aufgefordert, um die Partei zu einen. Hintergrund für die Querelen innerhalb des ANC ist ein Gerichtsentscheid von vor gut einer Woche, der politische Einflussnahme durch die Regierung Mbeki in einem Korruptionsverfahren gegen Parteichef Zuma anprangerte. (jam/AFP/dpa)

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