Politik : Nach Mobutus Rücktritt steht Kabila vor der Machtübernahme

Ex-Staatschef will Präsidententitel behalten / Gerüchte über Exil / Schweizer Villa beschlagnahmt KINSHASA (AP/AFP/dpa).Die Ära Mobutu Sese Seko ist zu Ende.Nach 32 Jahren gab der schwer krebskranke zairische Staatschef am Freitag seine Machtbefugnisse ab, nachdem ihm die Militärs offenbar die Gefolgschaft verweigert hatten.Wie Informationsminister Kin Kiey Mulumba in Kinshasa mitteilte, verzichtet er auf die Führung der Regierungsgeschäfte.Mobutu wolle sich künftig "abseits halten", seinen Titel "Präsident" aber behalten.Damit ist der Weg zur Macht frei für Laurent Kabila, dessen Rebellen nach Angaben eines US-Vertreters nur noch 50 Kilometer vor Kinshasa stehen und die Stadt in einem Tag erreichen können. -Mobutu hatte Kinshasa am Freitag morgen, vier Tage vor Ablauf des Ultimatums von Rebellenchef Laurent Kabila, verlassen.Offiziellen Angaben zufolge wollte er in Gbadolite im Norden Zaires "in aller Ruhe arbeiten".Gerüchten zufolge wollte er Zaire verlassen.Kabila hatte Mobutu am Donnerstag aufgefordert, bis Montag zu erklären, ob er bereit sei, die Macht direkt an ihn abzugeben.Die Schweiz ordnete die Beschlagnahmung einer Villa Mobutus an.Der noch von Mobutu eingesetzte Staatsanwalt von Lubumbashi hatte Anfang Mai die Einfrierung aller Auslandskonten Mobutus gefordert. Unterdessen gewährten die Rebellen in Kisangani internationalen Hilfsorganisationen Zugang zu dem Flüchtlingslager Biaro, wo sich etwa 15 000 Menschen aufhalten.In dem Lager warten Hutu-Flüchtlinge aus Ruanda auf die Rückführung in ihre Heimat.Weiter südlich befinden sich noch bis zu 6000 Flüchtlinge. Kabila hatte sein Ultimatum am Donnerstag abend nach einem zweistündigen Gespräch mit dem als Vermittler fungierendem südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela gestellt.Mandela setzte sich dem Vernehmen nach dafür ein, daß Mobutu die Macht an eine Allparteienregierung abgibt.Am Freitag morgen reiste der Rebellenchef aus Kapstadt ab.Nach Angaben des südafrikanischen Außenministeriums flog Kabila nach Angola oder nach Lubumbashi in Zaire, dem Hauptquartier der Rebellen. Wie die Regierung in Bern mitteilte, darf die Villa Mobutus in Savigny vorerst nicht verkauft werden.Ihr Wert wird auf 9,5 Millionen Mark geschätzt.Die Rebellen hatten am Donnerstag von der Schweiz und anderen Ländern wie Belgien, Frankreich, Österreich, Portugal und den USA verlangt, Mobutus Konten sicherzustellen.Die Schweiz betonte, daß die Entscheidung zur Beschlagnahme keine Anerkennung der Rebellen darstelle.Auf die Aufforderung der Schweizer Bundes-Bankenkommission, Mobutus Konten zu melden, haben sich seit Mittwoch 50 von 415 Institute gemeldet.Die "Financial Times" hatte berichtet, Mobutu habe inden 80er Jahren ein Vermögen von mehreren Milliarden Mark angehäuft, das vor allem in der Schweiz und in Belgien lagere.

GroKo, Neuwahlen oder Minderheitsregierung? Erfahren Sie, wie es weitergeht - jetzt gratis Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben