Nach Mord an Extremisten : Angst vor Gewalt im WM-Land

Der Machetenmord an dem rechtsextremistischen Burenführer Terreblanche könnte den Rassenhass in Südafrika neu aufflammen lassen. Zwei Monate vor Beginn der Fußball-WM herrscht im Gastgeberland Angst vor Gewalt.

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Viel hatte man von Eugene Terre Blanche in den letzten Jahren nicht mehr vernommen. Es war still geworden um den burischen Rechtsextremisten, dessen rassistische Afrikaner Weerstandsbewegung (AWB) Anfang der 90er Jahre die Abschaffung der Apartheid gewaltsam verhindern wollte – und dabei im Westen trotz ihrer stets nur kleinen Mitgliederzahl vorschnell mit einer ganzen Volksgruppe gleichgesetzt wurde, zumal Terre Blanche mit seinem Aussehen und Auftreten so gut ins Klischee des weißen Herrenmenschen passte. Seine Farm in der Nähe von Ventersdorp, 200 Kilometer westlich von Johannesburg, soll der frühere Polizist, der nach Verbüßung einer Gefängnisstrafe angeblich zum bekennenden Christen konvertierte, zuletzt jedenfalls nur noch selten verlassen haben.

Der brutale Mord an dem 69-Jährigen hat ihm nun noch einmal jene Aufmerksamkeit beschert, um die sich der selbst ernannte Retter des burischen Volkes zuletzt vergeblich bemüht hatte. Offenbar war Terre Blanche am Samstagabend mit zwei Farmarbeitern über die Höhe des Lohns in Streit geraten – und von den 16 und 21 Jahre alten Schwarzen mit einer Machete grausam zugerichtet worden. Nach Angaben der Polizei wurde der AWB-Führer derart schwer im Gesicht verletzt, dass er später kaum noch erkennbar war. Die beiden Täter stellten sich nach der Tat und werden an diesem Dienstag in Potschefstroom dem Haftrichter vorgeführt.

Während Südafrikas Präsident Jacob Zuma in einer Fernsehansprache die Nation zur Ruhe aufrief, war die Empörung in rechten Kreisen hoch. Dies überrascht nicht: Seit Langem schürt vor allem die Jugendliga von Zumas regierendem Afrikanischem Nationalkongress (ANC) den Rassenhass am Kap. Als Triebfeder agiert dabei ihr 29-jähriger Präsident Julius Malema, ein Populist ohne Schulbildung, dem Zuma noch im vergangenen Jahr zur allgemeinen Bestürzung bescheinigt hatte, das Zeug zum künftigen Führer des ANC zu haben. Seit dem Machtantritt Zumas vor einem Jahr ist Malema zum Idol der desillusionierten schwarzen Jugend geworden – und singt bei seinen Auftritten den populären alten ANC-Kampfsong „Kill the farmer, kill the boer“ („Tötet den Farmer, tötet den Buren“). Ironischerweise war ihm genau dies nach einer langen juristischen Auseinandersetzung erst im vergangenen Monat gerichtlich erneut untersagt worden, ohne dass er dem Urteil Folge geleistet hätte.

Dabei gibt es nach Ansicht der liberalen Demokratischen Allianz kaum einen Zweifel daran, dass das Lied „ein Klima schafft, in dem Gewalt als angemessene Antwort auf gesellschaftliche Probleme“ angesehen wird. Jede Woche sterben in Südafrika durchschnittlich zwei Farmer bei Überfällen auf ihre Höfe. Seit 1991 ist es zu rund 10 000 Angriffen gekommen, bei denen fast 2000 Landwirte starben – weit mehr als im benachbarten Simbabwe. Keine andere Berufsgruppe lebt in Südafrika heute gefährlicher, klagen Standesvertreter in der Provinz Nordwest, in der jetzt auch Terre Blanche erschlagen wurde. Die Wahrscheinlichkeit als Farmer ermordet zu werden, ist hier demnach etwa 20-mal so hoch wie für den Rest der Bevölkerung.

Kein Wunder, dass viele Landwirte hinter den Angriffen eine politische Kampagne vermuten. Mit jedem Mord wächst die Hysterie – und das Gefühl, den Angreifern angesichts der Untätigkeit der Regierung schutzlos ausgeliefert zu sein. Dabei sind alle Untersuchungsberichte zu den Farmmorden zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich um Angriffe von Diebesbanden handelt – und nicht um eine konzertierte Aktion wie in Simbabwe, wo die weißen Farmer zum Machterhalt von Diktator Robert Mugabe vom Land vertrieben wurden. Allerdings äußern die Autoren der jüngsten Studie Verständnis dafür, dass viele Farmer angesichts der bei den Überfällen angewendeten Brutalität hinter den Angriffen ethnische Säuberungen vermuteten. Tatsächlich hätten nur zwei Prozent der Überfälle rassische und politische Motive.

Die Folgen der Überfälle sind für Südafrika verheerend: Seit 1994 ist die Zahl der kommerziellen weißen Farmer von 62 000 auf inzwischen unter 40 000 gesunken. Dies hat sich verheerend auf die Nahrungsmittelproduktion des Landes ausgewirkt. Erst in den vergangenen Jahren war Südafrika erstmals für kurze Zeit zu einem Lebensmittelimporteur geworden. „Ungeklärte Rechtsansprüche gegen viele Landwirte könnten mindestens 15 000 weitere Farmer vom Land treiben“, befürchtet Chris van Zyl, Sicherheitsbeauftragter der Transvaal Agricultural Union. „Mich würde es nicht wundern, wenn am Ende in Südafrika kaum 20 000 Großfarmer verbleiben würden.“

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