Nach Operation : Paraguays Ex-Machthaber Stroessner gestorben

Der langjährige paraguayische Militärmachthaber Alfredo Stroessner ist im Alter von 93 Jahren im brasilianischen Exil gestorben. Stroessner starb am Mittwoch in einem Krankenhaus in Brasilia.

Brasilia - Nach Angaben seiner Familie vom Wochenende hatte sich der Ex-Präsident einer Leistenoperation unterzogen, von der er sich nicht mehr erholte. Der deutschstämmige Stroessner hatte Paraguay als Militärmachthaber zwischen 1954 und 1989 mit harter Hand regiert, bevor er von General Andrés Rodríguez gestürzt worden war.

Nach seinem Sturz ging Stroessner, der 1954 selbst durch einen Putsch an die Macht gelangt war, ins brasilianische Exil. Paraguays Justiz hatte von Brasilien mehrfach die Auslieferung Stroessners verlangt. Er wurde beschuldigt, für zahlreiche Ermordungen, Verschleppungen und Folterungen politischer Gegner sowie für zahlreiche Fälle von Amtsmissbrauch verantwortlich zu sein. Wahlen gerieten unter seiner Herrschaft zu Parodien der Demokratie.

Zwei Millionen Paraguayer ins Exil

Stroessners 35-jährige Diktatur gilt als die brutalste in dem kleinen südamerikanischen Land seit der Unabhängigkeit im Jahr 1811. Der 2005 verstorbene Schriftsteller Augusto Roa Bastos nannte Stroessner "den Tyrannosaurier". Die Opposition warf den Sohn einer Bayerin und eines Paraguayers vor, er habe 3000 politische Gegner "verschwinden" oder ermorden lassen. Aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen gingen zwischen 1954 und 1989 mehr als zwei Millionen Paraguayer ins Exil. Heute zählt das Land 5,8 Millionen Einwohner.

Im Alter von 17 Jahren wurde Stroessner als Kadett in der Militärakademie von Asunción angenommen, die er wenige Jahre später als Leutnant verließ. Ab 1932 nahm er am Chaco-Krieg zwischen Bolivien und Paraguay teil und stieg in der militärischen Hierarchei immer höher. 1951 wurde er Generalstabschef Oberbefehlshaber der Armee, drei Jahre später riss er mit Unterstützung seiner Colorado-Partei die Macht an sich.

Strikter Anti-Kommunismus

Stroessners Herrschaft war geprägt durch einen strikten Anti-Kommunismus, was ihm die Duldung durch die USA einbrachte. Er unterhielt außerdem gute Kontakte zu anderen südamerikanischen Diktaturen, mit denen zusammen Paraguay in den 70er und 80er Jahren die "Operation Condor" zur Verfolgung linksgerichteter und oppositioneller Kräfte betrieb.

Eines der größten Projekte von Stroessners Herrschaft war der Bau des riesigen Itaipú-Staudamms, dessen Einkünfte jedoch kaum der verarmten Bevölkerung zugute kamen. Um Stroessner wurde während seiner Herrschaft eine Art religiöser Persönlichkeitskult getrieben, die Historiker der von ihm gegründeten Sekte Pueblo de Dios (Volk Gottes) zuschreiben. Mit seiner im Februar 2006 gestorbenen Frau Eligia Mora hatte Stroessner drei Kinder. (tso/AFP)

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