Nach Piraten-Drama : Frankreich erhöht Nahrungsmittelhilfe für Somalia

Gut einen Monat nach der Befreiung französischer Geiseln auf somalischem Territorium hat Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy eine Verdoppelung der Nahrungsmittelhilfe für Somalia zugesagt. Vier der sechs Seeräuber sollen dem "Clan" des somalischen Präsidenten Yusuf angehören.

Paris/Madrid Nicolas Sarkozy hat seinem somalischen Amtskollegen Abdullahi Yusuf bei dessen Besuch in Paris zugesichert, Frankreich werde dieses Jahr somit sieben Millionen Euro zur Verfügung stellen, wie der Radiosender France Info am Montagabend berichtete. Anfang April hatten Piraten vor dem Horn von Afrika ein französisches Kreuzfahrtschiff gekapert und ihre Geiseln eine Woche später gegen Zahlung eines Lösegeldes wieder freigelassen. Kurze Zeit später nahmen französische Soldaten sechs Verdächtige fest.

Die somalische Regierung hatte den Militär-Einsatz auf ihrem Territorium genehmigt. Den sechs mutmaßlichen Entführern soll jetzt in Frankreich der Prozess gemacht werden. Angesichts der drastischen Erhöhung der Nahrungsmittelpreise ist es auch in dem ostafrikanischen Land zu Hunger-Aufständen gekommen. Das von einem Bürgerkrieg schwer
getroffene Land hat seit fast zwei Jahrzehnten keine funktionierende Zentralregierung mehr; die Macht liegt in den Händen von Großfamilien, sogenannten Clans. Piraten machen sich den rechtsfreien Raum zunutze.

Logbuch eines Piraten entdeckt

Nach Informationen des Pariser Nachrichtenmagazins "Le Point" ist der "Clan" des somalischen Präsidenten Yusuf in den Piratenüberfall auf das Kreuzfahrtschiff "Le Ponant" verwickelt. Vier der sechs Seeräuber, die von einem französischen Kommando überwältigt worden waren, gehörten zu Yusufs Sippe, berichtet das Magazin in seiner Internetausgabe. Bei der Untersuchung der "Ponant" hatten die französischen Ermittler ein verstecktes Logbuch eines der Piraten entdeckt. Es enthielt unter anderem die Namen der Bandenmitglieder und ihren Anteil an der Beute von angeblich zwei Millionen Dollar (1,3 Millionen Euro).

In einem anderen Fall haben Agenten des spanischen Geheimdienstes CNI laut einem Zeitungsbericht somalischen Piraten das Lösegeld für die Freilassung von 26 Fischern übergeben. Wie die Madrider Zeitung "El País" berichtete, stammte die Summe in Höhe von 1,2 Millionen Dollar nicht aus den Geheimfonds der spanischen Regierung, sondern von der Reederei der "Playa de Bakio". Der Kutter war im April vor der Küste Ostafrikas gekapert worden. Die Besatzung - 13 Spanier und 13 Afrikaner - befand sich sechs Tage in der Gewalt der Seeräuber und wurde dann freigelassen. (mfa/dpa)

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