Nach Rebellen-Anerkennung : Weiter heftige Kämpfe in Libyen

Auch nach der internationalen Anerkennung des Übergangsrats der Rebellen durch zahlreiche Länder gehen in Libyen die Kämpfe weiter. Im Ölhafen Brega hoffen die Aufständischen auf einen wichtigen Sieg.

In Libyen versuchen die Rebellen, die Hafenstadt Brega einzunehmen.
In Libyen versuchen die Rebellen, die Hafenstadt Brega einzunehmen.Foto: AFP

Die libyschen Rebellen haben sich nach eigenen Angaben am Sonntag in einem Wohngebiet der Hafenstadt Brega schwere Straßenkämpfe mit den Truppen des libyschen Machthabers Muammar Gaddafi geliefert. Nach Berichten des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira zogen sie einen Belagerungsring um die Stadt und versuchten, Hunderte von Minen zu entfernen. Einige kleine Gruppen der Rebellen seien in die Stadt vorgedrungen, sagte ein Sprecher der Rebellen, Mohammed Sawi, in Bengasi. „Aber wir kontrollieren noch nicht die ganze Stadt.“ Die Gaddafi-Truppen hatten Brega im Osten Libyens im April unter ihre Kontrolle gebracht. Am vergangenen Donnerstagabend hatten die Rebellen eine Offensive auf die Stadt gestartet. Seitdem starben nach Rebellenangaben mindestens 13 Rebellen, 200 weitere wurden verletzt. Den Aufständischen zufolge hielten sich 3000 Gaddafi-treue Kämpfer in Brega verschanzt. Eine Einnahme von Brega wäre ein wichtiger Meilenstein im Kampf der Rebellen gegen Gaddafi. Wegen der Raffinerie und des Hafens könnte sie den Rebellen zusätzliche Einnahmen verschaffen.

Am Samstag hatte der Sender Al-Arabija noch berichtet, die Rebellen seien in Brega eingedrungen, und die Gaddafi-Truppen hätten sich in die 50 Kilometer westlich gelegene Stadt Bishr zurückgezogen. Am Sonntag sagte aber ein Rebellensprecher, sie wollten nicht gewaltsam tiefer in die Stadt eindringen, um die Bevölkerung zu schonen.

Inzwischen haben rund 40 Staaten den Übergangsrat der Rebellen als einzige legitime Vertretung des libyschen Volkes anerkannt. US-Außenministerin Hillary Clinton äußerte die Hoffnung, dass die Übergangsregierung dadurch bald in die Lage versetzt werde, Mittel aus dem eingefrorenen Vermögen des Gaddafi-Regimes zu erhalten. Dazu müssten jedoch noch einige rechtliche Fragen geklärt werden.

In der libyschen Hauptstadt Tripolis waren in der Nacht zum Sonntag schwere Explosionen zu hören. Der britische Fernsehsender BBC und Al-Dschasira berichteten unter Berufung auf das libysche Staatsfernsehen, dass ein Vorort der Hauptstadt getroffen worden sei. Die Attacke habe mindestens eine Stunde gedauert, hieß es bei BBC.

Unübersichtliche Fronten in Libyen
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Gaddafi hatte am Samstagabend eine neue Schimpfkanonade gegen die Aufständischen und die europäischen Staaten abgelassen. Er beschimpfte die Rebellen als „Verräter und Agenten des französischen Geheimdienstes“. In einer Rede, die nach Angaben des libyschen Fernsehens per Telefon in die Stadt Al-Sawija übertragen wurde, drohte er: „Verschwindet aus Bengasi, die Massen werden zu euch kommen, auch ohne einen Befehl von mir...wir werden die Stadt Misrata befreien, Haus für Haus.“ In Al-Sawija hatten sich einige Tausend seiner Anhänger zu einer Pro-Gaddafi-Kundgebung versammelt. Gaddafi hatte auch die internationale Anerkennung zurückgewiesen. „Zerstampft diese dumme Anerkennung unter Euren Füßen“, rief er seinen Anhängern in einer am späten Freitagabend vom staatlichen Fernsehen ausgestrahlten Audiobotschaft zu.

Am Wochenende gingen auch die Kämpfe zwischen Rebellen und Gaddafi-Truppen in der westlichen Stadt Bir al-Ghanam weiter, wie der oppositionelle Fernsehsender Libya Hurra meldete. Die Rebellen kontrollierten dort eine Anhöhe am Stadtrand, ihrem zur Hauptstadt Tripolis am nächsten gelegenen Punkt. Sie kämpften auch um die Stadt Al-Ghayan auf dem Weg nach Tripolis, hieß es. (dpa/AFP)

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