Nach Rückeroberung : Massengrab in Palmyra entdeckt

"Wir jagen ihn und wir werden ihn finden", sagt ein US-Militärsprecher über den Führer des sogenannten Islamischen Staats. Nach der Rückeroberung von Palmyra wurde dort ein Massengrab gefunden.

Soldaten der syrischen Armee in Palmyra.
Soldaten der syrischen Armee in Palmyra.Foto: REUTERS

Dschihadistenführer Abu Bakr al-Baghdadi wird nach Überzeugung der USA eines Tages gefasst werden und für seine Verbrechen bezahlen. "Wir jagen ihn und wir werden ihn finden", sagte US-Militärsprecher Steve Warren am Freitag (Ortszeit) über den Chef der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). In der vom IS zurückeroberten syrischen Stadt Palmyra wurde unterdessen ein Massengrab entdeckt, das offenbar dort begangene Gräueltaten der Miliz belegt.

Die USA hätten auch al-Baghdadis "Mentor" Abu Mussab al-Sarkawi, den früheren Chef von Al-Kaida im Irak, gefunden und getötet, sagte Warren. Ebenso sei Terrorchef Osama bin Laden aufgespürt und getötet worden. "Wir werden al-Baghdadi finden und er wird zur Rechenschaft gezogen werden." Er sei sich zwar noch nicht sicher, ob die Gerechtigkeit eines Tages "wie eine Hellfire-Rakete" oder wie eine "dunkle Gefängniszelle" aussehen werde, sagte der Militärsprecher. Fest stehe aber, dass al-Baghdadi für seine Verbrechen bezahlen werde. Dem US-Oberst zufolge verbringt der Dschihadistenführer seine Zeit sowohl im Irak als auch in Syrien. In beiden Ländern kontrolliert die Miliz Gebiete und herrscht in ihrem selbsternannten Kalifat mit brutaler Hand.

Auf al-Baghdadi ist ein Kopfgeld in Höhe von zehn Millionen Dollar (knapp 8,8 Millionen Euro) ausgesetzt. Pentagon-Chef Ashton Carter hatte vor gut einer Woche erklärt, die US-Streitkräfte "eliminierten systematisch" die Führungsriege des IS. So sei es in der jüngsten Vergangenheit gelungen, "mehrere Schlüsselterroristen" der Miliz zu töten. Der IS hatte bei seinem Feldzug unter anderem im Mai 2015 auch die syrische Antikenstadt Palmyra eingenommen. Rund zehn Monate regierte die Miliz dort und schockte die Weltöffentlichkeit mit Hinrichtungen und der Zerstörung wertvoller Tempel und Grabanlagen.

Überreste von 18 Soldaten und 24 Zivilisten

Vor rund einer Woche gelang es der syrischen Armee mit Unterstützung Russlands schließlich, Palmyra vom IS zurück zu erobern. Die syrische Armee entdeckte nun nach eigenen Angaben am Freitag in Palmyra ein Massengrab mit 42 Leichen. In dem Grab seien die Überreste von 18 Soldaten und 24 Zivilisten gefunden worden, unter ihnen drei Kinder, hieß es am Samstag aus syrischen Militärkreisen. Sie wurden demnach von den Dschihadisten "geköpft oder erschossen". Bei den Opfern handelt es sich den Angaben zufolge um syrische Soldaten oder regierungstreue Milizionäre sowie deren Familienangehörige.

Die Leichen seien in ein Militärkrankenhaus ins syrische Homs gebracht und teils identifiziert worden. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte ebenfalls, die Opfer seien nach der Einnahme von Palmyra vom IS hingerichtet worden. Der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, sagte, die Dschihadisten hätten während ihrer Besetzung von Palmyra insgesamt "mindestens 280 Menschen exekutiert". Die Beobachtungsstelle verfügt über ein breites Netzwerk an Informanten in Syrien, ihre Angaben sind aber nur schwer überprüfbar. Unterdessen legte die US-Armee ein neues Ausbildungsprogramm für gemäßigte syrische Rebellen auf, nachdem ein vorheriges Konzept im Umfang von 500 Millionen Dollar gescheitert war.

Statt wie vorher ganze Rebelleneinheiten von der syrischen Front abzuziehen, würden nun von den beteiligten Kampfgruppen jeweils nur eine Handvoll Kämpfer von den USA ausgebildet, erklärte Militärsprecher Warren. Von einem "hoch ausgebildeten Einzelkämpfer" würden letztlich auch "der Mann zu seiner Linken und der zu seiner Rechten" profitieren. Die syrischen Kämpfer werden laut Warren insbesondere darin geschult, für die USA und ihre Verbündeten Ziele für Luftangriffe zu identifizieren. Im Oktober hatte das Pentagon eingeräumt, dass sein Ausbildungsprogramm trotz des umfangreichen Budgets nicht wie geplant rund 5000 gemäßigte syrische Rebellen für den Kampf in Syrien trainiert habe, sondern nur ein paar Dutzend. (dpa)

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