Politik : Nach Salehs Ausreise – Jemens Jugend hofft wieder

Astrid Frefel

Kairo - Die Gewalt im Jemen hält auch nach der Ausreise von Präsident Ali Abdullah Saleh an. Der Nachrichtensender Al-Arabija meldete, drei saudische Grenzwächter seien am Dienstag von einem Mann getötet worden, der von Saudi-Arabien aus die Grenze zum Jemen überqueren wollte. Nach Berichten lokaler Medien kam es in der jemenitischen Stadt Tais am Dienstag erneut zu Gefechten zwischen Angehörigen der Republikanischen Garde und Regimegegnern.

Jemens rebellische Jugend, die die Revolution mit ihren Protesten im Februar lanciert hatte, sieht Salehs Ausreise zu einer Behandlung unterdessen als Etappensieg und hat Vorschläge für eine Transformationsperiode zur Demokratie von nicht mehr als neun Monaten gemacht. Die Protestbewegung der Jungen war mit der Intensivierung der militärischen Auseinandersetzung zwischen Salehs Truppen und den Anhängern des Stammesführers Sadiq al Ahmar ins Abseits gedrängt worden. Viele hatten das Gefühl, die Revolution sei ihnen gestohlen worden.

Offiziell liegt die Macht jetzt in den Händen von Vizepräsident Abdel Rabbo Mansur Hadi. Der hochdekorierte Militärstratege zählt nicht zum Kreis jener Köpfe, die jetzt um die Macht pokern. Es ist ihm aber immerhin gelungen, den Waffenstillstand zwischen den verfeindeten Lagern, das heißt den Regierungstruppen und denen al-Ahmars, zu festigen. Ahmar hat eingewilligt, die öffentlichen Gebäude zu räumen, die seine Kämpfer unter ihre Kontrolle gebracht hatten.

Saleh ist zwar mit mehreren Familienmitgliedern nach Saudi-Arabien gereist. Im Jemen geblieben ist aber der älteste Sohn Ahmed, der Chef der Republikanischen Garde. Lange vor dem Volksaufstand hatte Saleh seinen Sohn als Erben vorgesehen und aufgebaut. Die Opposition befürchtet nun, Ahmed könnte versuchen, die Macht zu übernehmen. Bereits kontrollieren die Republikanischen Garden die zweitgrößte Stadt Tais, nach Sanaa die wichtigste Bastion der Demokratiebewegung. Die Beförderung eigener Verwandter in hohe militärische Positionen war Grund für das Zerwürfnis zwischen Saleh und General Ali Mohsen, seinem engen Vertrauten. Der Islamist unterstützt die Revolution und ist mit seinen 50 000 Mann, die über Panzer, schwere Artillerie und gepanzerte Fahrzeuge verfügen, ein Schwergewicht, dessen Rolle schwer abzuschätzen ist.Astrid Frefel

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