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Nach Selbstmordanschlägen in Wolgograd : Putin kündigt „totale Vernichtung“ von Terroristen an

Nach dem Bombenterror in Südrussland demonstriert der Kreml Stärke. Tausende Sicherheitskräfte durchkämmen die Region Wolgograd. Die USA bieten Moskau eine engere Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen an. Präsident Wladimir Putin droht Drahtziehern der Anschläge mit Vergeltung.

Die Zahl der Toten bei den Terroranschlägen im russischen Wolgograd steigt auf insgesamt 34.
Die Zahl der Toten bei den Terroranschlägen im russischen Wolgograd steigt auf insgesamt 34.Foto: AFP

Nach den beiden Selbstmordanschlägen in der Stadt Wolgograd hat Kremlchef Wladimir Putin bei einem unangekündigten Besuch in der Stadt den Drahtziehern Vergeltung angedroht. Es gebe keine Rechtfertigung für solch abscheuliche Verbrechen, sagte der Präsident am Mittwoch bei einem Treffen mit Verletzten in einer Klinik der südrussischen Stadt. In seiner Neujahrsansprache drohte Putin Terroristen mit der „völligen Vernichtung“. Wegen der Anschläge hatten die meisten Städte in Russland zu Silvester die Sicherheitsvorkehrungen extrem verstärkt oder Feiern ganz abgesagt.

Nach dem Doppelanschlag zu Wochenbeginn, bei dem bisher insgesamt 34 Menschen starben und fast hundert verletzt wurden, gilt dort und in ganz Südrussland die Warnstufe gelb, die zweithöchste bei Terrorismusgefahr. Die Attentate innerhalb von nur 24 Stunden schüren Sorgen um die Sicherheit der Olympischen Winterspiele, die in fünf Wochen im Schwarzmeerkurort Sotschi beginnen. Islamisten aus dem Konfliktgebiet Nordkaukasus hatten gedroht, die Wettkämpfe zu torpedieren. Wolgograd, das bis 1961 Stalingrad hieß, liegt etwa 700 Kilometer von Sotschi entfernt.

Allein in Wolgograd rückten, was offiziell zunächst dementiert wurde, neben Spezialeinheiten für Extremismusbekämpfung auch Truppen des Innenministeriums ein, die eigentlich nur bei Unruhen zum Einsatz kommen. Kritische Medien sprachen von bis zu 5000 Soldaten, darunter Scharfschützen, die notfalls ohne Anruf den Abzugshahn betätigen dürfen. Einwohner und regionale Machthaber fürchten neue Anschläge. Vor allem auf den nahe gelegenen Damm, der die Wolga aufstaut. Bricht er, stehen die Millionenstadt und deren südliches Umland innerhalb von Sekunden unter Wasser.

"Technische Pannen" bei der Naujahrsansprache

Die Toten von Wolgograd zwangen den Kremlchef sogar zu Korrekturen seiner Neujahrsbotschaft und störten die positive Bilanz für 2013 und den optimistischen Ausblick für 2014. In der ersten Version, die das Staatsfernsehen für die am weitesten nordöstlich gelegenen Regionen ausstrahlte, wo die Zeit der Moskauer um bis zu neun Stunden voraus ist, fehlte das Thema komplett. Zwar redete sich Putins Pressechef mit „technischen Pannen“ heraus. Doch ehemalige hohe Beamte, die nach dem Zerwürfnis mit Putin ins Lager der Opposition wechselten, vermuten knallharte Auseinandersetzungen in der unmittelbaren Umgebung des Staatschefs: Konservative hätten zu sowjetischem Krisenmanagement – Schweigen – geraten, Liberale zu offensiver Vorwärtsverteidigung.

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Letzteres könnte Putin auch als Freifahrtschein für neue innenpolitische Repressalien werten, fürchten kritische Beobachter und ziehen Parallelen zum Herbst 2004. Nach dem Geiseldrama in der Schule von Beslan, bei dem mehr als 300 Menschen starben – die meisten waren Kinder –, hatte Putin durch Verfassungsänderungen die Ernennung der bis dato direkt gewählten Verwaltungschefs der Regionen durch den Kreml durchgesetzt, Opposition und Zivilgesellschaft durch Verschärfung von Partei- und Vereinsgesetzgebung marginalisiert und den Druck auf unabhängige Medien verstärkt.

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